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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 410

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 410)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644305--1416-2645759
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händler, die seit Jahrzehnten mit neuen Kleidern handelten und deren Vorfahren dasselbe getan hatten, bei diesem Sachverhalt gezwungen, zumindest formell den Bestimmungen des Gewerbegesetzes zu genügen und sich jene gewerblichen Qualifikationen zu verschaffen, die vom Händler mit neuen Kleidern neuerdings gefordert wurden. Und hier sehen wir sie nun den Spuren der jüdischen Gewerbler folgen. Sie wußten sich, nach Vorlage eines Meisterstücks, das gegen ziemlich hohen Entgelt von Landschneidern für sie gearbeitet wurde, wiederum gegen Entgelt von der Plumenauer Schneiderzunft Meisterbriefe zu beschaffen, auf Grund derer sie nun ungestört ihren Handel mit neuen Kleidern, die sie natürlich weiterhin im Verlag anfertigen ließen, fortsetzten72). Dieser Weg zur Plumenauer Schneiderzunft konnte natürlich nur von den vermögenderen, also den größeren Kleiderhändlern, begangen werden, weil er mit recht hohen Auslagen verbunden war. Tatsächlich finden wir auch eine ganze Reihe der bedeutenden Proßnitzer jüdischen Kleiderhändler, mit dem Meisterbrief als Landschneider ausgestattet, ihren Handel ohne Unterbrechung weiterführen, während die kleineren meist hausierend ihren Kleiderhandel betrieben, von der Obrigkeit geduldet, deren Stellungnahme, wie oben bereits angedeutet, nicht ganz konsequent war, immer aber auf die Steuerfähigkeitserhaltung der ihr unterstellten Judengemeinde Bedacht nahm. Der intensive Handelsbetrieb mit neuen Kleidern führte, wie immer bisher, natürlich auch im 19. Jahrhundert zu lauten Klagen der Zunft über die Juden. Es müßte geradezu als Nachlassen der Konkurrenz angesehen werden, wenn die Stadtzunft nicht von Zeit zu Zeit untermengt mit ihren häufigen Beschwerden über das Überhandnehmen der Schneiderpfuscher auch über die jüdische Konkurrenz geklagt hätte. An der Beschwerde aus dem Jahre 1808, die wir schon bei Behandlung des ersten. Teiles dieses Kapitels erörtert haben, ist die Angabe über die Zahl der jüdischen Schneider interessant. Es heißt dort: „in deme allhier schon 31 Meister nebst bey sich eben so viele oder mehrere Juden Schneider, und gegen 18 andere Pfuscher aufhalten"73). Auch die Angabe in derselben Beschwerde, daß in der Stadt 300 Vorstadtbauern ansässig sind, „die nicht bürgerlich gekleidet gehen", ist wertvoll, da diese Bauern ihre Kleidung, ebenso wie die Bauernbevölkerung des übrigen Mähren, zum allergrößten Teil fertig aus den Läden der „Judenschneider" bezog oder auf den Jahrmärkten von ihnen erkaufte. Es wurde bei Kompetenzstreitigkeiten auch immer scharf zwischen Kleidern von „städtischem Schnitt" und solchen der Bauernbevölkerung unterschieden74). Schließlich geben die Zunftschneider in dieser aufschlußreichen Beschwerde auch an, daß sie „nur bestellte, 406

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