Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 407)
- Language
- German
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für die Judengemeinde, immerhin aber ein solcher, der seine Wirkung tat. Der Stadtzunft war es beinahe unmöglich gemacht, sich über ihre Gewerbegenossen im Ghetto zu beschweren, denn diese waren nun auch Zunftmeister und genossen annähernd dieselben Privilegien wie die städtischen Zünftler. Dieser 1802 zum ersten Mal eingeschlagene Weg wurde nicht so bald verlassen; er erwies sich als nützlich. Noch im Jahre 1828 sucht z. B. der jüdische Schneider Joachim Baß, „da er schon 30 Jahre ohne Meister zu sein in der Judengemeinde die Schneiderei betrieb und da nun die Gesetze jeden Handwerker verbieten, ohne Meisterrecht eigenmächtig und für sich zu arbeiten" um Bewilligung zur Meisterwerdung bei der Plumenauer Schneiderzunft an. Auch sein Vater Moses Baß habe lebenslang die Schneiderei betrieben und Joachim hatte bei ihm ausgelernt. Diesen Sachverhalt bestätigten drei weitere jüdische Schneidermeister und das Landmeisterrecht, sowie die Inkorporation wurden ohne Anstand bewilligt6?). Auf einen ähnlichen Ausweg verfielen auch einige derjenigen christlichen Gesellen, die nicht Meister werden konnten, trotzdem aber nicht ausschließlich als Pfuscher für Juden, sondern ohne Beeinträchtigung auf eigene Kechnung arbeiten wollten64)'. Solcherart war es um die Gewerbsbefugnis des jüdischen Schneiders bis zum Jahre 1851 bestellt. Allerdings können wir von diesen jüdischen Schneidern, die arm waren und selbst gewerbliche Arbeit verrichteten, manchmal auch mit einigen wenigen jüdischen Hilfskräften arbeiteten, keine Intensivierung des Kleiderhandels erwarten, ebensowenig, wie etwa von den Proßnitzer, Plumenauer oder anderen zünftigen Schneidermeistern in Mähren. Wenn auch die Charakteristik, die das Brünner Gubernium anläßlich eines Eekurses der Stadtzunft in unzureichender Kenntnis der Umstände von den jüdischen Schneidern entwirft, von denen sie sagt: „Was die jüdischen Pfuscher... betrifft, ist es nur zu wohl bekannt, daß... sie sich bloß mit der Flickarbeit für die ärmste Klasse der Stadtbewohner abgeben"65), nicht zutrifft, so mag es auch solche jüdische Gewerbler gegeben liaben, die nur wenig Kenntnisse des Schneiderhandwerks besaßen und sich mit solcher Flickarbeit abgegeben haben; aber auch diese Kategorie ist, wie wir weiter unten sehen werden, nicht unwichtig, wurde sie doch zur Herrichtung der alten Monturstücke auf „fast neu" verwendet. Die anderen, meist mit dem Meisterrecht versehenen jüdischen Schneider aber arbeiteten in der Judenstadt auf Bestellung und trieben, wenn es die Umstände zuließen, auch etwas Kleiderhandel. Es werden Hausierpässe (1833, 1835) an sie ausgegeben66), sie beziehen Wochen- und Jahrmärkte naher Städte; der von ihnen betriebene Kleiderhandel war aber unbedeutend. Isaak Glos, der erste jüdische Schneidermeister der Plumenauer Zunft, sendet z. B. 403