Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 402)
- Language
- German
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1 i kräftigere Mittel zur Handhebung der zünftliehen Ordnun g"33). Die Zahl der Pfuscher war stark angewachsen, manche hielten sogar selbst Gesellen, Frauen verrichteten ebenfalls als Pfuscher Schneiderarbeit, unterhielten Werkstätten mit Lehrlingen und Gesellen (1817, 1818)34). Durch solche Umstände gereizt und der Machtlosigkeit, sich ihrer zu erwehren bewußt, gehen die Zünftler auch bei Meistern, die „auf freie Hand" etabliert waren, mit Konfiskation vor; natürlich müssen sie wieder alles rückerstatten und sich vom Magistrat streng rügen lassen35). Gesellen, die für Juden Arbeit verrichteten36), werden ebensowenig zum Meisterrecht zugelassen, wie solche, die sich nicht mit einem gewissen Kapital (oder Haus) ausweisen konnten, das zur Erwerbung des Bürgerrechts in der Stadt1 für notwendig erachtet wurde. Immer neue Einwände fand die Zunft gegen die Meisterrechtswerber37), immer mehr und dringlicher klagt sie über Arbeitsmangel ihrer Mitglieder. Es gab (1821) 40 Meisterstellen; darunter waren sechs Frauenschneider, „neun arbeiten altershalber nicht oder befassen sich mit dem altmodischen oder Flickerey", so daß nur 25 Meister für den Bedarf der Stadt verblieben. Allerdings standen dieser Meisterzahl die „Judenschneiderei" und mit ihr in engem Zusammenhang die Pfuscher gegenüber, so daß den Klagen über Arbeitsmangel wohl Glauben geschenkt werden darf38). Die Konfiskationen der Schneiderzunft überschreiten von 1830 an das Gebiet der Stadt und, erstrecken sich auf die umliegenden zur Stadtzunft gehörenden Ortschaften, wo schon von altersher Pfuscher saßen, die für die jüdischen Kleiderhändler arbeiteten89). Zu gleicher Zeit erhebt sie auch Beschwerde über die Plumenauer Schneiderzunft (Landzunft), daß diese ihren Verdienst bedeutend schmäler«; die Beschwerde wurde aber vom Kreisamt abgewiesen und darauf hingedeutet, daß es erwiesen sei, daß einzelne der Plumenauer Schneidermeister „werkkundiger" seien als die Proßnitzer und diesem Umstand allein die Beeinträchtigung zuzuschreiben sei. Gegen den Entscheid rekurriert die Proßnitzer Zunft an das Brünner Gubernium und beschwert sich auch „über die bedeutende Zunahme der Landmeister". Aber auch dort erfährt sie eine Abweisung40). Tatsächlich hat die Meisterschaft auf dem Lande, die in der Plumenauer Zunft konzentriert war, eine so starke Zunahme erfahren, daß im Jahre 1825 um die Bewilligung angesucht wurde, für fünf der im Drahaner Gebirgsplateau liegenden Ortschaften eine Filialzunft, ein eigenes „Mittel" errichten zu dürfen41). Diese starke Zunahme der Landmeisterschaft des Schneidergewerbes dürfte auf die rege Nachfrage, die vom Proßnitzer Ghetto ausging, zurückzuführen sein. Der sich kräftig entfaltende Kleiderhandel benötigte Arbeitskräfte in stärkerem Maße als bisher. Wir kommen zur letzten Periode, die mit dem Jahre 1830 beginnt 398 M