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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 399

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 399)
Language
German
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IRI
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Monopols fort. Mit Arbeit durch die kriegerischen Ereignisse wohl versehen14), wehrte sie sich unter beweglichen Klagen über „Nahrungsmangel" gegen jeglichen Zuwachs, der die bestehende Meisterzahl vergrößern würde. Es waren 39 Stellen15), die nicht weiter vermehrt werden sollten und auf diese Aufgabe und die Verfolgung der Pfuscher beschränkt sich die Haupttätigkeit der Zunft. Beinahe alljährlich wurden eine ganze Reihe von Meisterwerbern, die oft schon verheiratet und Familienväter waren, mit ihren Gesuchen abgewiesen und zur Geduld gemahnt, bis durch Tod eines Meisters dessen Stelle frei würde16). Begreiflicherweise war bei einer derartigen Praxis die Angst vor den sich immer weiter vermehrenden Pfuschern sehr groß. All diejenigen, die nicht Meister werden konnten, weil die Zahl der Meisterstellen nicht vermehrt werden sollte, begannen nun selbständig, oft mit Hilfe ihrer Frauen zu arbeiten. Unter „selbständig arbeiten'4 verstehen wir aber nur zu geringem Teil die Arbeit für eine städtische oder sonstige Kunde, sondern in der überwiegenden Zahl der Fälle Lohnarbeit für die Kleiderhändler des Ghetto. Je schärfer sich die Zunft absperrte, desto größer wurde die Möglichkeit für die Kleiderhändler, sich billige Arbeitskräfte zu beschaffen. Dieses Sachverhalts sich wohl bewußt, witterte die Zunft allerorts Pfuscher und Störer und bediente sich aller zu Gebote stehender Mittel, sich dieser gefährlichen Konkurrenz zu entledigen. Der jüdische Kleiderhändler, meist mit dem Meisterrecht1 für die Judenstadt versehen, entzog sich kraft seiner eigenartigen Stellung ihrem Zugriff; desto heftiger wütete sie gegen seine Arbeitskräfte. So wurden fremdortige christliche Meister, die sich in Proßnitz zu ständiger Arbeit niederlassen wollten, auf Veranlassung der Schneiderzunft als „Pfuscher und Vagabunden" abgeschoben17) (1802). Ortsfremden Gesellen, die sich nicht sofort zur Arbeit bei Zunftschneidern meldeten, erging es nicht besser18) (1812). In jedem Abweisungsbefund, den die Zunft an den Magistrat richtet, wird auf die große Zahl der jüdischen und christlichen Pfuscher hingewiesen; die Zahl der letzteren wird 1808 mit achtzehn angeben, im nächsten Jahr mit zwanzig, einige Jahre später werden außer ihnen eine „Vielzahl von Frauenzimmern" genannt, die die Menge der Pfuscher vergrößere19). Diejenigen seinerzeitigen Gesellen, die inzwischen Militärdienste geleistet hatten und wieder entlassen worden waren, bekamen ohne weiteres Arbeitsbefugnisse, ohne sich der Zunft inkorporieren lassen zu müssen20). Auch in Proßnitz arbeiteten viele dieser militärentlassenen Schneidergesellen auf eigene Hand; die Zunft verfehlte nicht, sie jedesmal unter diejenigen Pfuscher einzubeziehen, die die „Nahrung" der ehrsamen Meister bedrohen21). Im Jahre 1808 schon wird die Zahl aller derjenigen, die Schneiderarbeit verrichten, von der Zunft mit achtzig angegeben (alle Arten von Pfuschern und Juden- 395

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