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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 396

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 396)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644305--1402-2645745
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Die Stadt Proßnitz hat sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts schnell entwickelt. Trotzdem sie am Ende des achtzehnten noch nicht einmal den Bevölkerungsstand von vor dem Dreißigjähr. Kriege erreicht hatte, zählte sie um die Mitte des nächsten Jahrhunderts, die Juden inbegriffen, bereits an die 10.000 Einwohner. Der christliche Handelsstand, der, wie wir wissen, sich zunftmäßig abgeschlossen hatte, war auch weiterhin recht unbedeutend geblieben. Er zählte (1844) nur 14 Kleinhändler, die sich auf den Lokalbedarf beschränkten. Es waren 10 Spezereiwaren-, 2 Eisen- und 2 Schnittwarenhändler1). Ganz anders stand es um den jüdischen Handelsstand. Die Zahl der systemisierten Familien des Proßnitzer Ghettos war wohl auf 328 beschränkt, was einer Seelenzahl von 1700 entsprechen sollte, doch wurde diese Zahl durch die vielen außerhalb der bewilligten Ehen „unehelich" Geborenen auf 2200 erhöht2) (1828). Es war nicht mehr Handel allein, der vom jüdischen Handelsstand der Proßnitzer Gemeinde betrieben wurde. Gleich in den Anfang des Jahrhunderts fällt eine große Fabriksgründung; es war die landesbefugte Feintuch- und Kasimirfabrik des Heereslieferanten Feith Ehrenstamm, die allerdings im vierten Jahrzehnt des Jahrhunderts wieder eingegangen ist. Inzwischen hatte sich aber eine große Anzahl Proßnitzer Juden auf die Erzeugung von Baumwollwaren verlegt, die sie zum Teil ganz bei christlichen Webern aus den von ihnen gelieferten Materialien anfertigen, zum Teil in eigenen Manipulationsräumen vorrichten und dann erst zur Verarbeitung herausgeben ließen. Um die Mitte des Jahrhunderts besaßen einige dieser fabrikähnlichen Unternehmen bereits die einfache Fabriksbefugnis. Rechnen wir noch den um den Hauptlieferanten, Feith Ehrenstamm, gruppierten Kreis kleinerer Lieferanten hinzu, so wäre die Reihe der Händler größeren Formats erschöpft. Neben ihnen gab es aber noch sehr viele kleine und kleinste Händler. Von diesen beiden Gruppen wurde der Schnittwarenhandel am intensivsten gepflegt; so gab es 1842 nicht weniger als 135 jüdischer Schnittwarenhändler in Proßnitz8), dessen gesamter jüdischer Handelsstand im Jahre 1848 258 steuerfähige Mitglieder zählte4). Die Beteiligung dieser namhaften Händlerschar an den Jahrmärkten des Landes war so groß und schwer ins Gewicht fallend, daß zu wiederholten Malen Märkte verlegt wurden, wenn die Proßnitzer Juden bekanntgaben, daß sie sich wegen einfallender Feiertage nicht würden beteiligen können, oder weil sie mit den Hauptmärktenin Brünn und Troppau kollidierten (1843, 1845, 18465). Wie erschien dieses Ghetto seiner Obrigkeit? Im Jahre 1828 hatten die Obrigkeiten „Statistische Notizen" über „das Judentum, und dessen Einrichtung oder innere und äußere Verhältnisse in jeder Gemeinde" zusammenzustellen. In der Rubrik „Hauptnahrungs- und Erwerbs- 392

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