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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 394

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 394)
Language
German
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IRI
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und Unterfutter selbst und läßt es durch seine Gesellen zusammensetzen. Dabey gewinnt er doppelt . . ."167). Auch hier treffen wir den Judenschneider, besonders in größeren Städten, als Kleiderhändler, wie in Mähren und Böhmen an. Mit Ausnahme von Großpolen bildeten die Juden (um 1788) tiberall die Hälfte aller Handwerker, besonders der Schuster, Schneider und Kürschner168). In Warschau kam es während der Sejmsitzungen von 1789/90 zu wüsten Ausschreitungen gegen die Juden, welche ihre Veranlassung, so merkwürdig es auch klingen mag, durch den jüdischen Kleiderhandel erhalten hatten. Das den Juden sonst verwehrte Warschau durfte nur zur Messezeit, wenn die Sejmsessionen stattfanden, von jüdischen Handeltreibenden besucht werden. Da sich aber der „Große Sejm" damals in Permanenz erklärte, glaubten die Juden ihrerseits, an keine befristete Aufenthaltsbewilligung gebunden zu sein;, diejenigen, die zur Messe bereits in die Stadt gekommen waren, blieben und aus der Provinz strömten immer neue hinzu. Sehr bald verspürten die christlichen Handelsleute und Handwerker, die in Gilden und Zünften organisiert waren, die starke Konkurrenz, die ihnen durch die Juden bereitet wurde. 1790 versammelten sich eine Anzahl von Zünftlern, besonders Schneider und Kürschner, vor dem Rathause und verlangten vom Magistrat die sofortige Ausweisung aller Juden und drohten sie sonst „samt und sonders niederzumetzeln". Auf die Frage der Sejmdeputierten nach der Ursache ihrer Erbitterung antworteten die Zunfthandwerker, „daß die zugereisten Juden ihnen das Leben verleideten, indem sie die ortsansässigen Schneider und Kürschner um die letzte Erwerbsmöglichkeit brächten". Daraufhin wurden die Juden wirklich ausgewiesen, kehrten aber alsbald heimlich zurück. Als nun ein Schneiderzünftler einen jüdischen Schneider „mit fertiger Ware in den Händen" auf der Straße antraf, entwickelte sich aus diesem harmlosen Zwischenfall eine förmliche Judenhetze169). Auch in der nach der ersten Teilung Polens neugebildeten Provinz Westpreußen setzten die Juden den Handel mit neuen Kleidern fort, wie die Verbote in dem für Westpreußen neu erlassenen (1774) Schneiderzunftstatut deutlich zeigen170). Daß neben dem Handel mit neuen Kleidern auch der Altkleider- und der Trödelhandel von den Juden Polens eifrig betrieben wurde, ist bekannt. Welche Dimensionen dieser aber manchmal annahm, erfahren wir vom Ende des 18. Jahrhunderts aus Lemberg; hier hatte ein Jude, bevor Paul I. (1796—1801) das Prohibitivsystem einführte, mit alten Kleidern aus Paris bis nach Petersburg Handel getrieben171). Wir stehen am Ende unserer Untersuchungen über den jüdischen Kleiderhandel Mährens im 18. Jahrhundert. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß die im 17. Jahrhundert nach dem Dreißigjährigen 390

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