Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 389)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2644300-2644305--1395-2645738- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Hausieren auf dem Lande zu nicht geringer Nahrungs-Schmälerung deren bürgert. Handschuhmachern verkaufet werden4'134). Schon im Jahre 1761 waren den Neu-Raußnitzer jüdischen Schneidern auf dem Brünner Fastenmarkte 61 Paar lederne Hosen konfisziert worden, weil sie nicht auf „Weißgärber-Art", sondern auf „Handschuhmacher-Art" hergestellt waren. Diese feine Unterscheidung, die sich auf die Anwendung einer speziellen Naht (der „Englisch-Naht") und auf die Art des Futters und Besatzes bezog, hatte zu gleicher Zeit und auch später zwischen den christlichen Schneidern und Handschuhmachern zu wiederholten und heftigen Konflikten geführt, die endlich mit einer ganzen Reihe von Verboten für die Schneider, die Handschuhmacher nicht zu beeinträchtigen, endeten135). Außerdem wurden die von den Nikolsburger und Neu-Raußnitzer Judenschneidern verkauften Lederhosen als aus Allaun-136) und Sterbling-Leder hergestellt zwar als „unächt, in sich aber ganz brauchbar44 bezeichnet. Auch von den Judenschneidern aus Teltsch wurden 1781 Lederhosen, die sie auf Märkte brachten, beanständet137). Im Leipniker Ghetto hat sich seit dem großen Privileg vom Jahre 1656 nichts geändert. Die jüdischen Schneider zahlten für die Erlaubnis, mit christlichen Kleidern auf den Märkten von Leipnik, Drahotusch und Weißkirchen handeln zu dürfen, weiterhin 9 fl. 20 kr. in die fürstlich Dietrichsteinschen Renten138). In Jamnitz, das bekanntlich neun jüdische Schneider hatte, versucht die christliche Schneiderzunft (1725) von ihrem Grundherrn, dem Grafen von Wlassim, das Verbot jüdischer neuer Schneiderarbeit zu erlangen189), dürfte aber nicht durchgedrungen sein, denn 1751 klagen die Zunftschneider darüber, daß ihnen die Judenschneider den „größten Eintrag verursachten44140). Aus der Fürst Liechtensteinschen Stadt Mähr.-Aussee wird 1735 berichtet141), daß es in der Judengemeinde nur Fleischer und Schneider gebe. Von letzteren seien drei „gelehrnt44 und drei „ungelehrnt oder Pfuhsschere". Sie betrieben ihr Handwerk sowohl für Juden, als auch für Christen, weshalb auch die zünftigen Schneidermeister bereits bei dem fürstlichen Amte eingekommen wären, um so mehr, als die Juden sogar in den Häusern der Stadtbürger Arbeit verrichteten. Trotzdem die Schneidermeister „zum öfftern" dagegen protestiert und die Judenschneider „wegen dieser denen Handtwercks Articula zu wieder lauffenden Vnbilligkeiten, nicht allein mit arrest, sondern auch mit geld ettl. mahl Bestraffet44 hatten, setzten die Judenschneider ihre Arbeit für die Bürger der Stadt fort. Auch in einer anderen Liechtensteinschen Stadt, in Butschowitz, kam es zu Reibereien zwischen jüdischen und christlichen Schneidern. 385