Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 386

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 386)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2644300-2644305--1392-2645735
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Regimentern die Möglichkeit, diesen Artikel in größeren Posten, Serien, zu niedrigen Preisen zu erstehen. Es war dies die einzige Möglichkeit den großen Bedarf an alten, gebrauchten Kleidungsstücken in größerem, oft großem Maßstahe zu decken. Mit der vorläufigen Erörterung des Altkleiderhandels haben wir bereits das Gebiet des Proßnitzer Ghettos verlassen und gesamtmährische Verhältnisse berührt. Wie hat sich nun die Schneiderei und der jüdische Kleiderhandel in den übrigen Ghettogemeinden während des 18. Jahrhunderts entwickelt? Wir wissen, daß im vorigen Zeitabschnitt diejenigen Gemeinden, die ein bis drei jüdische Schneider aufweisen konnten, in der Mehrzahl waren, während vier oder mehr Schneider nur ganz vereinzelt vorkamen. Das Bild hat sich geändert- Mährische Judengemeinden, in denen jetzt nur ein Schneider genannt wird, gibt es nicht mehr viele. Es sind dies: Kostel (1768)109) und (1787)110), Loschitz, Mähr.-Kromau111) und Pirnitz (1746)112). Zwei jüdische Schneider finden wir in Pirnitz (1781 113), Straßnitz (als Minimum, vielleicht auch mehr U4) und Triesch115). Drei gibt es in Butschowitz (1749 116) und Pirnitz (1755), darunter zwei Hosenschneider117). Vier waren in Eisgrub, davon «einer für kroatische Nationaltracht118), und in Ung.-Ostra119) ansässig. Fünf Schneider hat Butschowitz (1755 12°) und Eibenschitz121); sechs: Dambofitz122), Mähr.- Aussee (drei gelernte und drei „Pfuschere" 123) und Trebitsch124). Die kleine Gemeinde Jamnitz, von der eine zeitgenössische Quelle berichtet, daß sie aus lauter Hausierern bestand125), besaß sogar neun Schneider, das waren 19 Prozent der Ghetto-Einwohnerschaft126); Boskowitz hatte zehn127), Kanitz neun und vier Flickschneider128), Mißlitz elf und zwei Flickschneider129), Butschowitz (1782) dreizehn und vier Flickschneider130) und die größte mährische Judengemeinde, Nikolsburg, zählte nicht weniger als neun Meister mit neun Gesellen und zwölf autorsierten (!) „Störern", zusammen also dreißig jüdische Schneider131). So große Schneidermengen in den einzelnen Gemeinden mußten notwendigerweise zu Zusammenstößen mit den christlichen Schneiderzünften führen. Daß es an solchen nicht gefehlt hat, werden wir in der Folge sowohl für die Städte, sfls auch für die Jahrmärkte nachweisen können. Wenden wir uns zuerst dem Nikolsburger Ghetto zu, in dem., wie bekannt, bereits seit der Hälfte* des 17. Jahrhunderts eine durch den Grundherrn errichtete jüdische Schneiderzunft existierte. Die Unstimmig- 382

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.