Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 385)
- Language
- German
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gekommen, oder gebracht worden, mit hofkriegsräthlicher Bewilligung durch ordentliche Lizitation zum Besten des Ärariums" verkaufen. Diese Lizitationen, die alljährlich einigemal bei den Ökonomie- Kommissionen in Brünn und der Filial-Kommission in der Festung Olmütz abgehalten wurden, versammelten die größeren jüdischen Altkleiderhändler Mährens, die hier in großen Partien alte Uniformstücke aufkauften, in ihren Ghetti abändern ließen und dann an die kleineren Trödler des Landes auf Märkten in kleineren Posten verkauften. Es waren eigentliche Altkleider-Grossisten. Aber trotz der legalen Lizitationen fand auch häufig genug verbotenerweise der Abverkauf von Uniformen von den Kegimentern durch deren Offiziere und Lagerverwalter statt. Wie strenge in solchen Fällen gegen die Wiederverkäufer vorgegangen wurde, beweist der Fall eines Proßnitzer Trödlers, der (1782) beim Verkauf militärischer Mäntel ertappt wurde und nicht den Nachweis erbringen konnte, daß er sie bei einer Ökonomie- Lizitation erstanden hatte. Er wurde arretiert und zu einer Kerkerstrafe von einem und einem halben Jahr „in Band und Eisen44 verurteilt. Nur auf eine namhafte Kautionsstellung der Judengemeinde wurde er freigelassen101). Da sich aber solche Fälle mehrten, wurde 1784J,)2) und 1785103) den Regimentern durch Hofdekrete Joseph II. das Verbot des Verkaufs von Montursstücken „bey schärfester Bestrafung der Übertretter" wiederholt. Trotzdem jedes Jahr, besonders 1786, häufige Lizitationen „verschiedener, alter ganz unbrauchbarer Sorten aus dem Montours Depot44104) in Brünn vorgenommen werden, scheint die Ware, die noch nicht „ganz unbrauchbar44 geworden, mehr Anklang gefunden zu haben, denn in knappen Intervallen (1785, 1786, 1795)105) müssen die Verbote wiederholt werden. Bezeichnenderweise wurden diese Zirkulare, sowie die späteren von 1796 und 1798 vom Magistrate der Stadt Proßnitz den „Juden in der Synagog, und der Stadt Gemeinde durch den Drommelschlag republicieret und zugemittelt44106). In diesem Ghetto, das in dieser speziellen Art Altkleiderhandels die Führung in Mähren inne zu haben schien, bildete sich auch eine richtige „Handlungs Kompagnie44 (1798) zwischen Wolf Brüll107), Joachim Schwarz und Philipp Back, die sich mit dem An- und Verkauf alter Kleidungsstücke, insbesondere alter Uniformstücke, befaßte. Gleich in den ersten Monaten ihres Bestandes erkaufte sie in Prag einen großen Posten alter Kleider um 1600 fl.108); für diese Ware eine sehr beträchtliche Summe, die wohl einen ansehnlichen Vorrat repräsentierte. Wenn sonst Hausierer, mühsam von Haus zu Haus ziehend, diese Ware Stück für Stück zusammenkaufen mußten, um sie dann an den Trödler abzusetzen, ergab sich bei den Lizitationen oder den direkten Käufen bei den 381