Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 383)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2644300-2644305--1389-2645732- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Klagen bis an das Kreisamt in Olmütz (1796). Anläßlich einer solchen Beschwerde erwiderte das Kreisamt der Proßnitzer Schneiderzunft93): „In Hinsicht der Pfuscherey durch die zahlreichen jüdischen Schneider steht den Bittstellern frey, diesem Eingriffe ganz und gar nicht zu dulden und wenn ein jüdischer unbefugter Schneider in diesem Generalien widrigen Unfug betreten werden sollte, durch die Proßnitzer Judengemeinde und Plumenauer Obrigkeit Abhilfe, Zurechtweisung und ordnungsmäßige Ahndung zu erwirken, daher auch dem Proßnitzer Stadtrathe aufgetragen wird, über diese Unfuge vorzüglich zu wachen, und jeden jüdischen Pfuscher zur ordentlichen Behandlung seiner Obrigkeit anzuzeigen, auch selbst als Polizeybehörde selben Einhalt zu thun" (1796). Dem Proßnitzer Magistrate trug das Kreisamt auf: „Den Pfuschereyen der Jüdischen Schneider so wohl durch eigenes Anitsansehn, als Verwendung an die Plumenauer Obrigkeit dem nachdrücklichsten Einhalt zu thun, und in jedem vorkommenden Falle, deren Abstellung und ordnungsmäßige Ahndung zu erwirken" Aber im nächsten Jahre richtete die Schneiderzunft eine neuerliche Beschwerde an das Kreisamt nach Olmütz94). Dieses forderte vom Magistrat „Aufklärung und Berichterstattung" in Angelegenheit der „jüdischen Schneider-Pfuscherey" und ersucht gleichzeitig, die Schneiderzunft dahin zu benachrichtigen, „daß man hierorts bei fernerer Beeinträchtigung der Juden nicht unthätig seyn, wohl aber für die Rechte der Zunft wachen — und sie werkthätig schützen werde". Doch die Ruhe trat auch jetzt noch nicht ein, und im Jahre 1798 bat die Schneiderzunft wiederum das Kreisamt „um Schutz und Abhilfe wegen der von den unbezünfteten jüdischen Schneidern hierorts ausübenden Pfuscherey"95). Es war die Zeit, wo die Zünfte in den Jahren nach dem Tode Joseph II. wieder zu Macht gelangt waren und die Periode der systemlosen Reaktion auf gewerbepolitischem Gebiete auf ihre Art ausnützen. Sie versuchten, sich ihres erbittertsten Feindes, des jüdischen Schneiders und Kleiderhändlers, zu erwehren, womöglich zu entledigen. Im selben Jahre macht die Zunft eine nochmalige Eingabe an das Kreisamt und bittet um „Bescheid in der Beschwerdeangelegenheit entgegen die jüdischen Schneidere wegen Beeinträchtigung in ihrem Handwerk und Pfuscherey treibung". Das Kreisamt verweist aber auf eine Entscheidung des Plumenauer Oberamtes, deren Inhalt uns leider unbekannt ist96). Allenfalls dürfte diese Entscheidung für die Judenschneider günstig gewesen sein, denn die Beschwerden verstummen für einige Zeit, trotzdem die „Judenschneiderei" immer weitere Kreise zieht. Wir machen hier, im Proßnitzer Ghetto, dieselben Beobachtungen, wie in Prag etwa in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts, wo 379