Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 377)
- Language
- German
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Verkaufs von „Christlichen Kleidern44, besonders auf Jahrmärkten, blieben ihnen ungeschmälert. Schon im nächsten Jahre (1749), finden wir sie auf dem Brünner Markt, wo sie bei dem Stadtgerichte ansuchen, Leder und lederne Hosen auf dem Fischmarkte „ohne Hindernis" verkaufen zu dürfen71). Diese Lederhosen, die von den Judenschneidern aller mährischen Ghetti, wie wir weiter unten noch sehen werden, sei es im Ghetto selbst oder auf den verschiedensten Jahrmärkten verkauft wurden, waren eine Spezialität des jüdischen Kleiderhandels. Sie fanden deshalb so guten Absatz und werden deshalb überall ausgeboten, weil sie einen Hauptbestandteil der Nationaltracht der ganzen mährischen Landbevölkerung, so mannigfaltig die Volkstrachten72) auch waren, bildeten. Wo immer, sei es im westlichen Teil von Südmähren, wo zum Tuchrock und dem Pelzmützel enge lederne, schwarze oder ungefärbte Beinkleider getragen wurden, oder in Nordmähren, wo das enge Beinkleid roh-ledern war, sei es um Iglau und Brünn herum oder im östlichen Südmähren bei den mährischen Slowaken und Wallachen, überall gehörte die Lederhose zur Volkstracht. Besonders bevorzugt war sie aber beim Hanaken Mittelmährens; hier wurde im Winter zum Zipfelpelz aus Schaffellen, sowie im Sommer die braungelb oder rot gefärbte lederne, sehr weite Pludderhose getragen73). Der Hanake trug bis zum Jahre 1830 ungefähr überhaupt kein anderes Beinkleid, als die Lederhose, obwohl sonst auf diesem Landstrich beinahe jedes Dorf, sicherlich aber jede Herrschaft eine andere Tracht bevorzugte. Die sozialen Unterschiede machten sich nur in der Farbe geltend: der Reichere trug sie rot, der Ärmere gelb gefärbt. Der Eine schmal, der Andere bauschig. Immer war das Beinkleid aber aus Leder, und zwar entweder aus Ziegen- oder Schaffellen gearbeitet74). Aber auch in den kleineren Städten und Märkten wurde dieses Beinkleid vielfach getragen, und zwar hauptsächlich von der in den Vorstädten ansässigen Ackerbürgerschaft,, mitunter (und zwar häufiger, als man annehmen möchte) auch vom eigentlichen Stadtbürger. Das Leder, welches in großen Mengen in Mähren selbst erzeugt wurde75), wurde von den Juden teils aus dem Lande selbst, öfter aber auch aus Breslau und Leipzig bezogen. Leder bildete einen Hauptartikel im mährischen Judenhandel. „Wie in den rohen Häuten und Fellen, so machen auch im Leder die jüdischen Kaufleute als Zwischenhändler beynahe die meisten Geschäfte", heißt es noch zu Beginn des nächsten Jahrhunderts76). In der zweiten Hälfte des 18 Jahrhunderts erlangte die dem jüdischen Handwerk gewidmete Gewerbegesetzgebung eine neuerliche, und zwar wesentliche Bereicherung. Maria Theresia erließ die „Handwerksordnung vom 20. Feber 1753, für die jüdischen Professionisten und Handelsleute in Mähren"77). Dieses Patent erweiterte wohl die Gewerbe- 373 i*