Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 375)
- Language
- German
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des Arbeitsgerätes gegen sie vor. Diese engherzige Politik machte die Pfuscherfurcht sehr begründet; nicht mehr ausschließlich auf dem Lande, auch in der Stadt wurde am Ende des Jahrhunderts allenthalben Schneiderarbeit von Gesellen verrichtet, die keine Meisterstelle bekamen, da der Vater nicht Zunftmeister gewesen war63). Wie groß die Zahl der unbefugt Schneidernden war, kann nicht angegeben werden, doch mehren sich (von 1793 an) die Klagen der Zunftmeister über Mangel an Beschäftigung; die Schuld daran wird den Pfuschern und der zu großen Zahl der Schneidermeister beigemessen64). Im Jahre 1788 waren 30 Meisterstellen „der Lokalaufnahmsfähigkeit nach dem eigenen Geständnisse der Zunft angemessen befunden" worden, aber sogar gegen deren Besetzung sträubte sie sich immer von neuem unter dem Hinweise, daß nicht allein von Christen, sondern in starkem Maße auch von Juden gepfuscht würde und dieserwegen. kein« Arbeit mehr für die zünftigen Meister verbleibe65). Wie es sich mit diesen jüdischen Pfuschern verhielt, soll nun untersucht werden. * Im Proßnitzer Ghetto finden wir in diesem Jahrhundert außer der großen Zahl der Handeltreibenden eine kleine Gewerbeschicht, die sich jedoch bis auf die rituellen Fleischer in stärkerem Maße auf den Handel als auf die Herstellung von Gütern verlegte. So arbeiten die jüdischen Weißgerber des Proßnitzer Ghettos (und nicht nur dieses allein!) mitunter auch selbst Häute aus, viel öfter verlegen sie aber christliche Gerber anderer Orte und beziehen mit den auf solche Weise hergestellten Waren Wochen- und Jahrmärkte66). Sie sind also auch Gerber, vielmehr aber Lederhändler, beides in einer Person. Ebenso ist es mit den jüdischen Schneidern um diese Zeit. Wir wissen, daß der von ihnen betriebene Kleiderhandel im 17. Jahrhundert recht weite Kreise gezogen hatte. Welche Entwicklung nahm er nun im 18. Jahrhundert? Gleich im ersten Jahrzehnt versuchten die Proßnitzer Schneiderzünftler, anläßlich der Konfirmierung ihrer Statuten, von Joseph I. das Recht zu erlangen (1709), die von Juden auf den Jahrmärkten verkauften Kleider konfiszieren zu dürfen. Da sich aber die Obrigkeit (also die Plumenauer Grundherrschaft, der allein die Judengemeinde unterstand) entschieden gegen dieses Verlangen in ihrem Gutachten aussprach, konnte der Kleiderverkauf durch Juden ruhig weiter fortgeführt werden. Um diese Zeit, oder wenig später, zählte das Proßnitzer Ghetto bereits 12 jüdische Schneider67) (die christliche Schnei- 371