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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 365

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 365)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644305--1371-2645714
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So waren den mährischen Juden in diesem Jahrhundert alle Handelswege geöffnet, die auch christlichen Händlern zugänglich waren. Wir finden sie, insbesondere diejenigen des Proßnitzer Ghettos, außer auf den Wochenmärkten der meisten königlichen Städte auf allen größeren Jahrmärkten zu Olmütz, Brünn, Troppau, Wien, Linz und Pest, aber auch auf den großen Messen von Breslau14) und Leipzig15). Wir können uns zur Charakterisierung dieses Ghettos des Ausdrucks eines Zeitgenossen bedienen, der (1786) sagte: „mit einem Worte: es wird kaum eine jüdische Gemeinde in Mähren gefunden, die der Proßnitzer an Industrie gleichkäme, wenigstens übertrifft sie keine4416). Bevor wir uns nun der Untersuchung über die Fortentwicklung des jüdischen Kleiderhandels in diesem Jahrhundert zuwenden, ist es notwendig, sich über den Gegenpol des „Judenschneiders", die christliche Schneiderzunft, und die etwaigen Wandlungen, die sie in diesem Zeitraum durchgemacht hat, Klarheit zu verschaffen. In keinem Jahrhundert wie in diesem hat sich die österreichische Gewerbegesetzgebung mit solcher Intensität und Ausdauer, zugleich aber so widerspruchsvoll und gegensätzlich mit diesen Korporationen beschäftigt. Wir sind berechtigt, das 18. Jahrhundert als das für den unveränderten Fortbestand der Zünfte kritischste zu bezeichnen; zu keinem anderen Zeitpunkt wurden so viele Reformen geplant (und zum Teil durchgeführt), Patente und Verordnungen erlassen, Kommissionen eingesetzt, wie eben in diesem. Und doch ist die Schneiderzunft und mit ihr eine kleine Reihe anderer Gewerbe kaum geschwächt, in mancher Beziehung sogar gekräftigt und erstarkt aus dieser gefahrenreichen Periode hervorgegangen. Wir wissen bereits, daß der merkantilistiseh gesinnte Staat in den Zünften die schwersten Hindernisse bed der wirtschaftlichen Aufbauarbeit des Landes erblickte und daher Schritt für Schritt bestrebt war, ihre Vorrechte und Monopolien zu brechen. So erließ schon Joseph I. im Jahre 1708 ein Dekret, nach welchem es nur dem Landesherrn zustand, an Zünfte neue Privilegien zu erteilen17) und alte zu bestätigen. So kamen denn im nächstfolgenden Jahre unter allen anderen Zünften der Stadt Proßnitz auch die Schneider um Konfirmierung ihrer Artikel ein. Die Plumenauer Obrigkeit begleitete diese durch neuerliche Forderungen ergänzten Privilegien der einzelnen Zünfte ein; das Gutachten, das sie hiebei erstattete, ist in zweifacher Hinsicht interessant: erstens läßt sich auch bei ihr deutlich das von merkantilistischen Maximen geleitete Bestreben feststellen, den 361

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