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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 363

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 363)
Language
German
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IRI
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80er Jahre (1787) auf 13934) und gegen Ende des Jahrhunderts (1798) bereits auf anderthalb Tausend (1495). Der Handel, der von diesem kräftigen Handelsstand getrieben wurde, konzentrierte sich, da das Ghetto bereits sehr beengte Wohnverhältnisse aufwies, in der Stadt selbst in den „Kramin unterm Rathause", deren Zahl bis zur Mitte des Jahrhunderts von 11 (am Ende des 17. Jahrhunderts) auf 49 angewachsen war5). Die Jahrmärkte, die wieder in voller Zahl abgehalten wurden, waren lebhaft und außer von Kaufleuten der Nachbarstädte auch von solchen aus Brünn, Nürnberg u. a. fleißig besucht6). Der Judenhandel war nicht nur nominell stark vertreten, sondern auch außerordentlich mannigfaltig und weitreichend. Von der Obrigkeit auch weiterhin gegen die Angriffe der Handwerkerzünfte geschützt, trieben die Juden regen Handel mit Häuten, Leinwand, Koscherwein und Branntwein, boten Krämer-, Spezerei-, Leder-, Kurz- und hauptsächlich Schnittwaren in den Läden und auf Wochen- und Jahrmärkten aus. Es wurden, besonders gegen Ende des Jahrhunderts, große Woll- und Unschlitteinkaufsgesellschaften gegründet, Wollvorräte ganzer Gutsherrschaften erkauft, mit Hasenfellen (für Hutmacher) nach Wien gehandelt. Rot- und Weißgerber beklagen die geringen Vorräte des Landes und geben an, daß sowohl rohe, als auch verarbeitete Häute und Felle von Proßnitzer Juden nach Polen verführt werden. Auch die „Kamplmacher" behaupten, daß das beste Horn von den heimischen Juden nach Preußisch-Schlesien verkauft werde, so daß im Lande nur mindere Qualitäten verbleiben. Aus den in Ungarn und Polen in großen Posten erstandenen Unschlittvorräten lassen die Juden Seifen und Kerzen anfertigen, mit denen sie auf den Märkten einen gutgehenden Handel treiben. Gegen Ende dieses Jahrhunderts kam es in der Stadt selbst wiederholt zu heftigen Zusammenstößen zwischen den handeltreibenden Juden und den in ihrer „Nahrung" sich bedroht fühlenden Zunftmeistern. Der Reihe nach wurde gegen den Kerzen- und Seifenhandel, den Leder- und Häutehandel, sowie den ebenfalls blühenden Eisenwarenhandel der Juden Sturm gelaufen. Bis zu der Hofkammer gingen Rekurse der Zünftler, manchmal mit Erfolg, öfter konnten die Juden ihren Handel behaupten7). Im letzten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts beginnt unter dem jüdischen Handelsstand die Bildung einer reichen und sozial rasch aufsteigenden Eliteschicht: es waren Heereslieferanten, an ihrer Spitze einer, dessen Bedeutung weit über die Grenzen Mährens hinausragte, Feith Ehrenstamm. Durch ihn wird auch zfu Beginn des nächsten Jahrhunderts die erste jüdische Tuchfabrik Mährens in Proßnitz begründet. Die kaiserlichen Marktprivilegien, die im 17. Jahrhundert den mährischen Juden erteilt worden waren, erfuhren im 18, Jahrhundert 359

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