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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 362

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 362)
Language
German
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IRI
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DrittesKapitel. Die Weiterentwicklung während des 18. Jahrhunderts. Der Handel der ßtadt Proßnitz. — Der Judenhandel. — Kaiserliche Marktprivilegien. — Die Schneiderzunft im Rahmen der Gewerbe- und Pfuscherpolitik. — Die Judenschnedder. —1 Die das jüdische Handwerk betreffenden Privilegien. — Der jüdische Kleiderhandel. — Altkleiderhandel mit Monturstücken. — Verbreitung der Judenschneiderei im übrigen Mähren. — Kleiderhandel auf den Märkten. — Zusammenstöße mit christlichen Zünften. — Altkleiderhandel auf Märkten. — Hausierbetrieb mit Kleidern. — Der Judenschneider in Polen. — Handel mit neuen und alten Kleidern. — Zusammenfassung. Soweit der Handel der Stadt Proßnitz im 18. Jahrhundert van der christlichen Stadtbevölkerung getrieben wurde, lag er noch immer zum größeren Teil in den Händen der wenigen italienischen Kaufleute, die am Ende des vorigen Jahrhunderts in die Stadt gekommen waren. Sie oder ihre Nachfolger führten Handlungen mit Kolonial- und Spezereiwaren, die von Olmützer, Brünner, Troppauer, Wiener, auch Nürnberger, manchmal Triester und Trienter Großhandlungshäusern bezogen wurden. Außer ihnen gab es noch zwei Bisenhändler. Dieser christliche Handels- «stand begann, ebenso wie die Gewerbetreibenden schon vor vielen Jahrhunderten, von der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts an sich zunftmäßig abzuschließen und zu verhindern, daß sich andere Kaufleute in Proßnitz niederlassen. Vier Gemischtwaren- und zwei Eisenhändler wurden für den Stadtbedarf als ausreichend erklärt1). Der eigentliche Handel der Stadt, der sich nicht nur auf die Befriedigung der Bedürfnisse der Stadtbewohner beschränkte, lag in den Händen der Proßnitzer Juden. Mit diesen zusammen zählte die Einwohnerschaft am Ende des Jahrhunderts (1787) 5679 Seelen2), hatte also immer noch nicht den Stand von vor dem Dreißigjähr. Kriege erreicht. Das Ghetto aber hatte sich seit jener Zeit bedeutend vergrößert. Das Proßnitzer Ghetto war seit dem 17. Jahrhundert schnell gewachsen, sei es durch Einwanderung aus fernen Provinzen (Schlesien, Polen, Österreich), sei es durch Zuwanderung aus anderen mährischen Ghettogemeinden. Im Jahre 1713 wurden bereits neben 148 angesessenen und über eigene Hausabteilungen verfügenden Familien 170 Inleute-Familien8) gezählt, zusammen 318 jüdische Familien zu Beginn des Jahrhunderts. Schon damals war Proßnitz das zweitgrößte Ghetto in Mähren. Die Zahl der jüdischen Bewohner belief sich am Ende der 358

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