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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 361

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 361)
Language
German
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Auch auf den Leipziger Messen versuchten Juden neue Kleider zu verkaufen. Da aber die Leipziger Schneiderzunft ein vom Stadtrate bestätigtos Privileg besaß, das besagte, „daß Schneider-Arbeit und was solchem ähnlichet, keines Kauffmanns oder Krähmers Waaren seyn" und daher nicht gehandelt werden durften122), wurde auf die Anzeige hin: „daß etzliche Juden, so neue, gemachte Kleider anhero gebracht, dieselben in itzigem Ostermarkte öffentlich ausgeleget und sich zu verkauften unterstanden'6, denselben aufgetragen, „ihre außgehängten und außgelegten Kleider und Mäntel alsbald wiederumb einzulegen und ferner nicht zu verkauften". Besser erging es in dieser Beziehung den Juden der größten Gemeinde Deutschlands: Frankfurt a. M. Hier weist ein Verzeichnis von 1611 schon 41 christliche Schneider auf, die für jüdische Händler ständig neue Kleider arbeiteten123). Nicht lange nachher klagen die Seiden- und Gewandkrämer derselben Stadt darüber (1635), daß die Juden, mit einigen christlichen Schneidermeistern im Einverständnis, diesen während Truppendurchzügen, während denen das Ghetto geschlossen bleiben mußte, die Läden voll Kleider stecken und sie auf diese Art verkaufen lassen124). Und einige Zeit später (1647) beantragt die Schneiderzunft, den Juden ihren Kleiderhandel zu verbieten, da sie durch dessen rührige Ausübung um ihr „tägliches Brot" kommen125). Um diese Zeit beschäftigten die jüdischen Kleiderhändler in Frankfurt a. M. „über 50 Meister und Witwen, die sonst nichts zu verdienen hätten44, im Verlag126). Dasselbe erfahren wir aus Frankfurt a. 0. Hier kauften jüdische Kleiderhändler alte Kleider auf und ließen sie durch Pfuscher, seltener durch Schneidermeister, „auf neuu umarbeiten. Der Absatz dieser Kleider scheint sehr gut gewesen zu sein, denn die Zunft klagt, daß sie zu den Hauptfeiertagen, sonst der Zeit der meisten Aufträge, kein einziges Kleid anzufertigen hatte127). Auch in London tauchen um 1681 Händler mit fertigen Kleidern als neue Erscheinung auf und werden ebenso wie überall anders von den Kundenschneidern angefeindet128). Nicht nur Österreich, Deutschland und England kannte im 17. Jahrhundert den jüdischen Kleiderhändler; auch Frankreich. So finden wir in Bordeaux, das eine Marranengemeinde von nahezu 300 Gliedern128) besaß, jüdische Kleiderhändler, die ebenfalls im Verlag bei christlichen Schneidern arbeiten ließen130). In Paris finden sich am Ende des 17. Jahrhunderts in den Läden der Trödler neue neben alten Kleidern131). Wir sehen, daß am Ende dieses Jahrhunderts der jüdische Kleiderhandel überaus verbreitet und bereits voll entwickelt war. 357

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