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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 359

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 359)
Language
German
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auf den vielen Jahrmärkten fertige Kleider für Städter und Bauern, in ihren Ghetti solche für ihre Glaubensgenossen, manchmal aber auch dort während des ganzen Jahres Gewänder für die Bauernbevölkerung. Wir wissen außerdem, daß die meisten Gemeinden nicht mehr als 1—3 jüdische Schneider hatten, einige deren vier und nur eine einzige mehr als vier. Außerdem verfügten die allermeisten Judenschneider nicht über Hilfskräfte und nur vereinzelt war es ihnen erlaubt, Gesellen und Lehrlinge zu halten; aber auch dann nur in streng beschränkter Zahl. Der natürlichste Ausweg war daher die Heranziehung des ländlichen Schneider-Pfuschers (die städtischen wären durch die von der Zunft geübte Kontrolle zu sehr gefährdet) zur Erzeugung der Kleider, die für den Verkauf benötigt wurden. Merkwürdigerweise läßt sich diese Tatsache in Mähren aber erst von der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts an belegen. Sollte dies vielleicht einen besondere Grund haben? Die alte Hansestadt Krakau beherbergte im 15. und 16. Jahrhundert in ihrem Judenviertel, dem Kazimierz, die zweitgrößte Judengemeinde Polens. Nun finden wir in einer Neustatuierung der Schneiderzunft von Krakau im Jahre 1443 folgende interessante Stellen119): „Da die Schneider über das Gesinde klagen und sagen, daß die Knechte Joppen machen und aufstehen wann sie wollen von der Arbeit ihres Meisters und laufen auf den Clopparsch und nach Kasimir und machen dort Joppen und Röcke, Mäntel und alles das ihnen zukömmt und verkaufen dieselben auf dem Tendelmarkt, bestimmen wir dagegen, daß jeder Schneiderknecht ein halbes Jahr hier arbeiten soll zu Krakow den Meistern in der Zunft und wenn er ihm Joppen macht und die Joppen, die er ihm macht dort wiedermacht, die sollen die Meister mit samt allen anderen neuen Joppen, die auf dem Tendelmarkt oder sonst innerhalb der Stadtgerichte feilgeboten finden, nehmen, auf das Rathaus tragen zum Verteilen der Armut im Spital oder sonst, wo der Rat befiehlt.4' „Von Tendlern und neuen Kleidern. Kein Tendier soll von nun an weder Joppen, Röcke noch andere neue Kleider verkaufen außer auf dem Jahrmarkt. Bei Verlust derselbigen Kleider. Und was die Meister derlei finden auf dem Trödelmarkt oder anderwo, die sollen sie nehmen und tragen auf das Rathaus zum Verteilen im Spital oder wo es die Herren befehlen ohne alle Hoffnung eines Wiedergebens oder Bezahlung." Die Tendier auf dem Trödelmarkt waren Juden (der Hinweis auf den Kazimierz würde genügen), und diese Juden, die sich sonst mit dem Verkauf alter Kleider beschäftigten, benützten christliche Schneiderknechte der Zunft zur Anfertigung von neuen Kleidern: Joppen, Röcken und Mänteln. Sie „verkaufen dieselben auf dem Tendelmarkt'4 heißt nichts anderes, als daß die Schneidergesellen die Kleider, die sie für die Juden gearbeitet hatten, jetzt auch an deren Stelle auf dem Tendelmarkte verkauften, da die Juden ordnungsgemäß nur mit alten Kleidern handeln durften. Taten sie es einmal nicht, d. h. versuchten sie auch selbst mit neuen Gewändern zu handeln, erfolgt sofort ein diesbezüg- 355

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