Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 353)
- Language
- German
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war es. In Böhmen, besonders in seiner Hauptstadt, wo die Konkurrenz der jüdischen Händler und Handwerker von den christlichen am stärksten empfunden wurde85), beantragte die Böhmische Kammer (1689) eine Verfügung, welche diese Konkurrenz zwischen christlichen und jüdischen Handwerkern, besonders Schneidern, Schustern und Kürschnern beseitigen sollte86); auf diese Weise verpachte man den wirtschaftlichen Wiederaufbau des Landes nach dem Kriege zu unterstützen und zu beschleunigen87). Man erwartete ihn von der christlichen Handel und Gewerbe treibenden Bevölkerung und versuchte den Juden auszuschalten und unschädlich zu machen. Anders scheint es in Mähren gewesen zu sein. Wir werden bei der Untersuchung der gesamtmährischen Verhältnisse die Beobachtung machen, daß das Entgegenkommen, dessen sich die Proßnitzer Juden seitens ihres Grundherren zu erfreuen hatten, nicht vereinzelt war. Es scheint, als ob man in Mähren (zumindest die am meisten an ihren Gütern und deren materiellem Wohlergeben interessierten Grundherren) den wirtschaftlichen Wiederaufbau in den Munizipalstädten nicht von den steifbeinigen und schwerfälligen Zünften, sondern von ihren wirtschaftlichen Gegnern, den Juden, erwartete und man richtete dementsprechend seine Politik auf deren Unterstützung. Wir sagten, daß sich auch im übrigen Mähren diese judenfreundliche Politik feststellen läßt. Sehen wir nun, wie es sich in diesem Lande, insbesondere in seinen Ghettostädten, im 17. Jahrhundert mit dem Kleiderhandel verhielt. Die Vorbedingungen für diese noch neue Erwerbsart waren dadurch gegeben, daß das ganze Land durch die vielfachen Verwüstungen des Krieges sehr verarmt war und seine Einwohner, besonders die des flachen Landes, froh waren, sich auf billige Weise kleiden zu können. Diese Einstellung der Käuferschicht scheint im ganzen Lande dieselbe gewesen zu sein. Auch wurde die Tracht einfacher, die Nachfrage nach besserer Schneiderarbeit geringer88), alles Momente, die den Handel mit fertigen und alten Kleidern begünstigten. Über letzteren wissen wir, trotzdem er um diese Zeit, wie auch später, in allen Ghettogemeinden florierte, nur aus Proßnitz genaueres; aus Mähr.-Budwitz89) hören wir, daß dort lebhafter Handel mit Pfandkleidern getrieben wurde. Wenige Jahre nach Friedensschluß, anläßlich der Bestätigung der Marktprivilegien der mährischen Juden durch Leopold I. (1659), führen die königlichen Städte in ihrer großen Beschwerdeschrift Klage über deren „Handelspraktiken". In vorderster Reihe, neben vielen anderen 349