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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 352

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 352)
Language
German
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IRI
…/2644300-2644305--1358-2645701
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Kleiderhändler. Der Name Judenschneider war ein Sammelbegriff, der nicht mißdeutet werden darf. Das Bild dieser Händlergruppe wäre aber nicht vollständig, würde nicht aiuch des Altkleiderhandels gedacht werden. Seine Ausübung wurde ausdrücklich im Interlocutum erwähnt und gestattet. Sie (die Judenschneider) mögen „mit anderen übertragenen alten so Mannsals Weibskleidern, wie sie immer Name haben, ohne Verhinderung handeln und wandeln". Sicherlich bildete diese vielgesuchte Ware (besonders nach dem Kriege) einen ständigen Bestandteil des Kleiderlagers unseres Judenschneiders; doch mögen damals, wie später, sich einzelne ausischließlicih mit dem Altkleiderhandel befaßt haben. Fassen wir abschließend zusammen, so kommen wir zur Festlegung folgender Gruppen: zu unterst steht der kapitalschwache Altkleiderhändler, der Trödler; dann kommt der allein arbeitende jüdische Schneider, der einen Teil seiner Glaubensgenossen mit gewerblicher Arbeit versieht, und schließlich der eigentliche .,Judenschneider" (der vielleicht einmal selbst genäht hatte); er ist Tuch- und Leinwandhändler, läßt im Verlag durch ländliche Pfuscher, manchmal auch durch jüdische Schneider Kleider anfertigen, die er dann im Ghetto „vor und in den Häusern" ausbietet und mit ihnen Märkte bezieht. Neben den neuen finden sich bei ihm auch alte Kleider. Im Ablauf der Geschehnisse nach dem Dreißigjährigen Kriege konnten wir die augenfällige Beobachtung machen, daß der jüdische Handelsstand (worin die wenigen Gewerbler inbegriffen seien) ganz auffällig von der Schutzherrschaft gegen den christlichen der Stadt in Schutz genommen, unterstützt und bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit neuen Privilegien ausgestattet wurde. Es drängt sich die Frage auf, welcher Wurzel diese unbedingt judenfreundliche Politik entsprang? Diese Frage wird nicht schwer zu beantworten sein, wenn wir uns erinnern, daß die Stadt nach dem Kriege schwer an den Fürsten verschuldet war, während der Gegenreformation sich gegen den Grundherrn, der in eigenster Sache handelte, überaus widerspenstig zeigte und schließlich so verarmt war, daß keine nennenswerte Hebung der Einkünfte, die durch den Krieg sehr gelitten hatten, zu erwarten war. Hingegen konnte die zum Teil sehr wohlhabend gewordene Judenschaft alle Privilegien und zu ihren Gunsten entschiedenen Streitfälle und Vergleiche gut bezahlen; und bei Privilegienerteilungen und Vergleichen spielte das Geld, das man sich sie kosten ließ, die Hauptrolle, besonders in den Jahrzehnten nach dem Kriege. Aber nicht das allein 348

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