Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 351)
- Language
- German
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bindung standen, bekamen bei der Entlohnung Streit und wurden hiebei von Zunftschneidern, denen das Recht der Kontrolle zustand, überrascht. Das Streitobjekt wurde konfisziert und zur Zunft gebracht. Es sollte nun die Frage entschieden werden, „ob das Werk christlich oder jüdisch sei", d. h. ob es für Juden oder Christen bestimmt war; die Frage, ob es von Juden oder Christen gearbeitet war, schien ja von Anfang an entschieden. Dem Eid der Juden, daß es für Glaubensgenossen bestimmt war, wurde kein Glauben geschenkt. Weitere Verbindung mit Pfuschern wurde unter Strafe gestellt. Die Frage nach den Arbeitskräften der Judenschneider scheint gelöst. Nachdem der christliche Schneider nicht in der Werkstatt des jüdischen arbeiten durfte, wurde ihm die Arbeit nach Hause gegeben, von ihm zu Hause verrichtet und wieder zurückgebracht. (Typische Heimarbeit in der Konfektionsindustrie des 17. Jahrhunderts!) Die Judenschneider von Proßnitz stehen in dieser Art nicht allein da; in allen mährischen Gemeinden wurde auf diese Weise verfahren, aus Prag wird in den Jahren 1674 und 1689 dasselbe gemeldet81), in Wien beschwert sich 1644 die Schneiderzunft über die mit Kleidern handelnden Juden, daß sie „eigene Störer und Stimpler zu Machung der Cleider halten thun"82). Die Folgen der Abschließun^spolitik der Zünfte machen sich geltend. Der Judenschneider, um diese Zeit schon vorwiegend kapitalistischer Kleiderhändler, läßt durch billige Arbeitskräfte eigene Materialien verarbeiten und bringt sie dann, von der Anspruchslosigkeit seiner Lebensführung83) unterstützt, zu billigen Preisen zum Verkauf. Dieser Konkurrenz ist der Zunftschneider, der sich verpflichtet glaubt, eine seinem „Stand" angemessene Lebensweise zu führen und einen dementsprechenden Gewinn erzielen muß, nicht gewachsen. Anderwärts (Prag) sucht er sich den durch die jüdische Konkurrenz gedrückten Preisen84) anzupassen; hier beschränkt er sich auf wütende Proteste — und verliert den Kampf. Die Frage, wie weit der jüdische Schneider selbst an gewerblichen Verrichtungen teilgenommen hat, ist nicht ohne weiteres zu entscheiden und in diesem Zusammenhange auch nicht von wesentlichem Belang. Sicher gab es damals schon, ebenso wie später, einzelne jüdische Schneider, die wirklich nähten; diese werden ebenso, wie ihre christlichen Berufsgenossen, nur auf Bestellung, und zwar für ihre Glaubensbrüder gearbeitet haben und sind zeitlebens arm geblieben. Die Judenschneider großen Formates, wie wir sie im Laufe unserer Untersuchung kennen gelernt haben, werden sich wohl das jüdische Handwerksprivileg zu Nutze gemacht, mitunter auch von der Arbeitskraft des wirklichen jüdischen, öfter aber wohl von der des ländlichen Pfuschers Gebrauch gemacht haben. Sie waren vorwiegend 347