Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 350)
- Language
- German
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Durch fürstliche Befugniserteilungen verfügte also der Judenschneider am Ende des 17. Jahrhunderts über zwei Konsumentenschichten: seine Glaubensgenossen und die schwer ins Gewicht fallende Bauernbevölkerung. Zeitweise mag sich auch die kostbare Kleider fordernde vornehme Stadtbevölkerung bei ihm eingefunden haben. Welches Bild können wir uns nach dem Gesagten von solch einem Judenschneider machen? Während des ganzen 17. Jahrhunderts wird nur zweimal in Prpßnitz ein jüdischer Schneider namentlich erwähnt79) (1630, 1656). Es ist natürlich mit Sicherheit anzunehmen, daß es mehr als diese, vielleicht vier oder fünf gegeben hat. Wir wissen bereits, daß sie identisch waren mit den eigentlichen Tuch- und Leinwandhändlern der Stadt. Ein solcher Judenschneider verfügte also vor allem über ein mitunter sicher großes Lager von in- und ausländischen Stoffen, sowie verschiedenen Leinwanden. Ein Teil von ihnen verstand auch das,Handwerk und verfertigte wohl hie und da Schneiderarbeit. In der Werkstätte konnten keine christlichen Gehilfen verwendet werden und der jüdische Nachwuchs an Handwerksbeflissenen war mehr als spärlich. Woher kommen dann die Laden voll mit Kleidern, die Versorgung weiter Bauernschichten? Leistete das alles die geringe Zahl von Judenschneidern allein? Ohne Hilfe? Bei Beantwortung dieser wichtigen Frage kommt uns ein glücklicher Zufall zustatten. Im Jahre 1669 findet sich im Register der Schneiderzitinft folgende Eintragung80): „Es geschah Zwietracht zwischen jüdischen Schneidern und Pfuschern (nehodnymi kregczima). Wir Meister unseres Handwerks ertappten sie bei Ausübung ihres Handwerks, dessentwegen sie in Streit gerieten9 und nahmen ihnen fort einen Rock und einen Kolarek (Koller, Krause?), der nicht fertig war und trugen das Werk in die ehrliche Zunft. Da wir ihnen das Werk nicht zurückgeben wollten, gingen sie vor die wohlgeborenen Herren, den Herrn Bürgermeister Pavel Zavadina und die zwei Schöffen. Herrn Martin Wunderlich und Herrn Klezl, zur Entscheidung ob das Werk christlich oder jüdisch sei. Es mußten die 'Juden mit dem Eid gejaget werden — aber man wollte ihnen nichts glauben. Sie verpflichteten sich vor dem Stadtgerichte, den Herren Bartolomeus Hrdiborsky und in Anwesenheit der Herren Zunftmeister, das nicht mehr zu tun unter Strafe von 10 Dukaten, wenn sie ertappt werden sollten. Es äußerte sich dann der fürstliche Richter Friedrich Neumann, es sollen die Juden dies auch durch einen Schwur bekräftigen und die Zunftleute sollten mit dem Stadtrichter (zur Kontrolle, B. H.) unter die Juden gehen" Der oben so umständlich geschilderte Sachverhalt ist klar: jüdische Schneider, die mit Pfuschern (höchstwahrscheinlich vom Lande) in Ver- 346 1