Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 341)
- Language
- German
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Fertigstellung von Uniformen für das kaiserliche Heer56). Der Anteil der Juden in Mähren wurde, sowie die sonstige Kriegskontribution, an den kaiserlichen Rat Niclas Nusser von Nussegg abgeführt, der um diese Zeit (1633—1657) Rentmeister in Mähren war57). Nun darf aber nicht gefolgert werden, daß die gelieferten Soldatenkleider wirklich von Juden „gearbeitet" wurden. Sie verfuhren ebenso, wie ein halbes Jahrhundert später der bedeutende jüdische Kriegslieferant in Mähren, Emanuel Bacharacher, der nicht nur Tücher, sondern auch fertige Uniformen zu liefern hatte. Das Tuch wurde in größeren Quantitäten gekauft oder aus Wolle, die dem Tuchmacher zur Verarbeitung übergeben wurde, gefertigt und zur Herstellung des Endproduktes, der Uniform, an christliche Schneiderzünfte oder einzelne ihrer Glieder, häufiger wahrscheinlich an die bei weitem billiger arbeitenden ländlichen Pfuscher übergeben. Jüdische Schneider, die jetzt in Mähren häufiger genannt werden, werden kaum in nennenswertem Maße an dieser Zwangsverrichtung teilgenommen haben, durften sie doch nicht einmal Gehilfen (außer Juden) in ihren Werkstätten beschäftigen. So hatte auch in Mähren der Kleiderhandel seinen ersten kräftigen Impuls durch den Krieg erhalten (vgl. Einleitung); denn es ist im Prinzip wohl dasselbe, ob ein Unternehmer aus freien Stücken „mit einem General oder Obristen contrahiret, daß er demselben die benöthigte Kleidung für so und so viel Regimenter und Compagnien verschaffen solle" oder ob die Judenschaft eines Landes zwangsweise auf Rechnung ihrer Kontribution große Mengen von Soldatenkleidern liefert. Das Resultat, die Tatsache einer Massenherstellung von Kleidern für Kriegsbedarf, bleibt in beiden Fällen dasselbe. Aber auch sonst mag der Kleiderhandel um diese Zeit einen merkbaren Aufschwung genommen haben. Wir wissen bereits, daß die Beute oder ein Großteil derselben durch die Hände der Juden gegangen ist; ein willkommenes 4 Beuteobjekt war das Kleidungsstück, da es einen bei weitem höheren Wert als heute repräsentierte. Auch die Uniformität der Kriegsbekleidung war noch nicht streng durchgeführt: den Soldaten des schwedischen Heeres z. B. wurde lediglich aufgetragen, „sich dienliche Kleider, solche, die einem Kriegsmann anstehen"88), anzuschaffen. Solche Kleider, die in vielen Fällen durch verschiedenste Umstände in die Hände der Juden gelangt sein mögen, waren dann leicht weiter zu verhandeln. Bezeichnenderweise finden wir in einem Grundbuch der Stadt Proßnitz vom Beginn des zweiten Kriegsjahrzehntes (Grundstückbuch der Stadt Proßnitz v. 1630) einen einzigen jüdischen Schneider, der aber als der reichste Mann der Gemeinde angesehen werden kann. Besaß er doch ein Haus, das er 1623 um 900 Gulden erkauft hatte. Die Häuser, die 337