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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 339

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 339)
Language
German
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IRI
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166245). Den gegen die Juden protestierenden Städten, die um die Mitte des 15. Jahrhunderts bereits gehofft hatten, sich der Juden und ihrer Konkurrenz für immer entledigt zu haben, wurde schließlich das Recht zugestanden, von den die Stadt betretenden Juden „eine leidentliche Rekognition" einzuheben, die später als Leibmaut weiterbestanden hat. Bald treffen wir auch die Proßnitzer Juden auf den Jahr- und Wochenmärkten der königlichen Städte, besonders in Olmütz und Iglau, aber regelmäßig auch auf den großen Jahrmärkten in Brünn, deren Zahl von vier vor auf sechs nach dem Kriege vermehrt worden war46). So standen die Juden, auch von der staatlichen Autorität unterstützt, durch die außerordentlichen Begebenheiten während des langen Krieges bereichert, an Zahl vermehrt der verarmten, eben erst wieder Fuß fassenden christlichen Stadtbevölkerung gegenüber. Selbstverständlich machte sich dieses merkliche Übergewicht zu allererst im Handel fühlbar. Wir hörten bereits, daß nach dem Kriege der ganze christliche Stadthandel von 3—4 italienischen Kaufleuten repräsentiert wurde, die gegen 1670 in die Stadt gekommen waren. Außer diesen gab es ein halbes Hundert Gewerbetreibende. Die Branberechtigten und Vorstadtbauern fallen hier nicht ins Gewicht. Diese christlichen Händler und Gewerbler sahen sich aber einem jüdischen Handelsstand gegenüber, der zumindest dreimal so groß war. Die Zahl der ansässigen Judenfamilien, die vorübergehend (1656) auf 5847) gesunken war, betrug 1669 wieder 64, zu denen eine große Zahl von Inleuten kommt, da eine ganze Reihe der 1648/49 und 1656 aus Polen Vertriebenen das Proßnitzer Ghetto vergrößerte. Der eigentliche Handel der Stadt liegt jetzt also in den Händen der Juden. Selbstverständlich sind Zusammenstöße mit den Zünften, die bestrebt sind, auch weiterhin ihre Erzeugnisse selbständig zu vertreiben, unausbleiblich. Schon aus dem Kriege selbst stammt die erste Beschwerde gegen die Juden, in der gesagt wird, daß sie „allerhand Handel gegen die Stadtprivilegien zu Verdörb des armen Mannesa treiben und aus demselben Jahre rührt eine Beschwerde der Kürschnerzunft (1644), derzufolge den Juden der Fellhandel im Großen „wie er Kaufleuthen zustehet" vorgeschrieben wird, während der Kleinhandel dem zünftigen Kürschner allein vorbehalten sein soll48). Bald geriet diese Vorschrift in Vergessenheit und die Proßnitzer Juden treiben außer dem Großhandel mit Fellen auch Kleinhandel. Immer häufiger und heftiger werden die Zusammenstöße zwistchen jüdischen Händlern und christlichen Gewerblern — die Kramladen der ersteren werden geplündert — bis es schließlich 1677 zu einem Vergleich kommt, in dem versucht wird, die Grenzen des Handelsbetriebs beider Parteien scharf zu umreißen49). 335

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