Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 337)
- Language
- German
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außerhalb der Stadt erkauft hatte, für Bauern neue Kleider auf Vorrat machen wollte. Der Ratsbeschluß lautete daher33): „Kein Schneider soll in Bällen Tuch nach Frößnitz bringen, sondern die Schneider, wenn sie auch Bauernkleider zum Verkauf machen wollen, sollen sie das Tuch von den Proßnitzer Tuchmachern erkaufen. Und so ist es ihnen, den Schneidern, von den vorsichtigen Herren unter Strafe befohlen worden" (1675.) Trotzdem es den christlichen Schneidern kraft ihrer Statuten allein zustand, Kleider auf Vorrat, also zum Handel, anzufertigen, ist dies die einzige Nachricht, der entnommen werden kann, daß in einem einzigen Fall von diesem Recht Gebrauch gemacht wurde (und nicht einmal das ist sicher). Bis zur Aufhebung der Zünfte in der Mitte des 19, Jahrhunderts ist von den Zunftschneidern nicht auf Vorrat, sondern allein auf Bestellung gearbeitet worden. Wer die Träger des Kleider h a nd e 1 s in Mähren waren, soll weiter untersucht werden. * Die Schicksale der Juden während des 30jährigen Krieges, der das Land auf lange hinaus in seiner Entwicklung zurückgeworfen hatte, waren anders geartet, als diejenigen der übrigen Bevölkerung. Sie standen den Motiven des Kampfes fremd gegenüber und wurden andererseits sowohl von den Kaiserlichen, deren Heerführer die Weisung hatten, sie zu schonen (Graetz, Gesch. d. Juden III., S. 336), als auch den feindlichen Truppen zu ihrem Wohle als nicht dazu gehörig betrachtet. Trotzdem auch sie vielerorts nicht verschont geblieben waren, gingen sie aus der Periode der Kämpfe materiell gekräftigt, an Seelenzahl nicht gemindert hervor. Den Resten der alten Bevölkerung, sowohl wie den neu Hinzugekommenen gegenüber befanden sie sich, da die Kontinuität ihrer Handelstätigkeit nicht unterbrochen worden war und die Intensität ihres Handelsbetriebes während der Kriegszeiten zugenommen hatte, in merkbarem Übergewicht. Sie waren „kaufend und tauschend von Kriegslager zu Kriegslager gezogen und durch ihre Hände war die Beute der katholischen und protestantischen Heere gegangen"34). Die Juden in Proßnitz, deren Hausbesitz um 1620 die Zahl von 4635) erreicht hatte, machten von der Kriegstätigkeit der mährischen Judenschaft wohl keine Ausnahme. Nicht nur die verkäufliche Habe der die Stadt verlassenden Bevölkerung geht in ihren Besitz über, 333