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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 336

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 336)
Language
German
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IRI
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Die Kramladen unterm Bathause, die bisher von christlichen Händlern benützt worden waren, lagen seit dem Schwedeneinfall wüst und nur in den Stadthäusern gab es später drei bis vier Läden, die italienischen Kaufleuten gehörten, welche vor 1670 in die Stadt gekommen waren und recht ansehnliche Handlungen in Spezereien und Kolonialwaren führten26). Dieselbe Beobachtung konnte in Brünn gemacht werden, wo ebenfalls am Ende des 17. Jahrhunderts reiche italienische Händler auftauchten27). In Proßnitz aber waren sie nach Friedensschluß bis zum Ende des 17. Jahrhunderts die einzigen christlichen Händler. Als Entschädigung für die schweren Verluste während des Dreißigjährigen Krieges erhielt die Stadt 1685 einen fünften Jahrmarkt; doch ist er nur einmal abgehalten und dann vom Kaiser aufgehoben worden. Auch der Schneiderzunft war es während des Krieges nicht besser als den anderen Zünften ergangen. Schon 1622 verlassen viele von den protestantischen Schneidern die Stadt und werden nur zum Teil durch Katholiken ersetzt, die von 1625 an hie und da genannt werden28). Der protestantische Nachwuchs wird durch die Anordnung der Herrschaft (1625) von der Zunft ferngehalten und schließlich alle solche, die den katholischen Glauben nicht angenommen hatten, aus derselben entfernt (1628). So sinkt die Meisterzahl weit unter 10 und erreicht erst nach dem Kriege allmählich wieder dies« bescheidene Ziffer29). Die Wenigen, die in der Stadt verblieben waren, fanden während der Jahre 1637—1644 Beschäftigung bei der Anfertigung von Soldatenkleidern, die in großen Mengen (1643: 6000 Stück; 1644: 3000 Stück usw.) auf Kosten der Juden-Kriegs-Kontribution, die halb in Geld, halb in Tüchern geleistet wurde, in Mähren hergestellt wurden30). Zu einer Zeit, da vom merkantilistisch gesinnten Staate die Zunftorganisation als überlebt empfunden und den Städten das Recht eingeräumt wurde, die Meisterzahl nach dem Ortsbedarf zu regeln81) (1689), welche Maßnahme den ersten Schlag gegen die Zunftautonomie bedeutet, und sogar am Ende des Jahrhunderts der Plan erwogen wurde (1699), alle Zünfte abzuschaffen32), kam es in Proßnitz wieder zu Kompetenzstreitigkeiten, diesmal zwischen der Schneider- und der Tuchmacherzunft. Dieser Kompetenzstritt zwischen zwei Zünften ist für uns nicht etwa deshalb interessant, weil wir aus ihm erfahren, daß von einem Schneidermeister Tuch gekauft und gegen die Privilegien der Tuchmacher weiterverkauft wurde; sondern deshalb, weil angenommen wurde, daß dieser Schneidermeister aus den Ballen Tuch, die er 332

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