Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 335)
- Language
- German
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ruiniert. Und doch fand sie noch nicht Ruhe. Im Gegenteil, das letzte Jahrzehnt des Krieges vollendete erst das Werk der Zerstörung. Nachdem 1641 die Kaiserlichen in der Stadt gewütet hatten, verwüsteten sie im nächstfolgenden Jahre durch Monate, was noch übbriggebläeben war. „Sie rissen einige hundert Häusör ein, verjagten die Einwohner und machten sie zu Bettlern4'16). In demselben Jahre überfiel die schwedische Besatzung von Olmütz eine kaiserliche Truppenabteilung in Frößnitz17); nach vielfachen Durchzügen der Kaiserlichen kamen zu wiederholten Malen die Schweden unter Torstenson und vollendeten das Werk der Verwüstung. Das Schloß und die Tore wurden gesprengt, die Güter der Stadtbewohner vernichtet, „die Stadt und Vorstädte in Wüsten verwandelt, die armen Handwerker, die sieb nicht mit ihnen abfinden konnten und die von niemandem Schutz hatten, verjagten sie von der Stadt, Grundstücke und Häuser rissen sie nieder. Jetzt haben sie uns um alles gebracht und uns zu Bettlern gemacht"18). Bis zum Schluß des Krieges bleibt die Stadt ein Tummelplatz der Kaiserlichen, von denen sie vollends ausgeraubt wird19). Proßnitz war zu einer wüsten Ansiedlung herabgesunken, in der (1644) nicht mehr als 100 bewohnte Häuser gezählt werden20) (außer denen der Juden). Ganz allmählich begann nach Friedensschluß die neuerliche Besiedlung der wüsten Gründe; 164921) setzte eine vorsichtige Einwanderung von deutschen Katholiken aus Nordmähren, Schlesien und dem Reiche ein, die die verwüsteten Grundstücke billig erwarben22). Aber noch im Jahre 1656 zählte das christliche Proßnitz erst 199 Familien, die ebensoviele Häuser bewohnten, während 384 leer standen23). Die Stadtbevölkerung zerfiel damals in Brauberechtigte (61), Gewerbetreibende (54), Vorstadtbauern (41), Häusler-Taglöhner (28) und 15 Inleute, insgesamt 1500 Seelen. Womöglich noch ärger sah es mit dem flachen Land der übrigen Herrschaft aus. Viele Dörfer waren vollkommen verwüstet und ausgebrannt, manche nur von einer oder zwei Personen bewohnt; das ganze Land war verarmt. Mehr als zwanzig Jahre nach Friedensschluß (1670) wurden auf dem Lande der Plumenauer Herrschaft neben 566 besiedelten Grundstücken noch 505 wüste gezählt24). Mitten während des Krieges schon (1634) hatten die mährischen Stände an den Kaiser geschrieben, daß das Land vollkommen zerstört und ausgesogen sei, die Zahl der Untertanen von Tag zu Tag abnehme, viele Dörfer und Flecken ganz öde und wüst seien und „alles Gewerbe, Handel und Wandel gänzlich erliegen und gesperrt bleiben"25). In Proßnitz waren während der Jahre 1644/45 keine Wochenmärkte mehr abgehalten worden, während des ganzen Krieges gab es keine Jahrmärkte, da nichts da war, das auf den Markt gebracht werden konnte. 331