Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 334)
- Language
- German
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Türken und Magyaren die Vorstädte verwüstet und eingeäschert hatten (1623), weil die Stadt dem katholischen Liechtenstein gehörte und der Stadtrat große Darlehen aufnehmen mußte, um die Militärlasten zu bestreiten, begann bald eine starke Abwanderung der protestantischen Einwohner, hauptsächlich aus den Schichten der Gewerbetreibenden. Die Stadt konnte nun dem Fürsten weder die Schulden abtragen, die sie bei ihm aufgenommen hatte, noch die fälligen Zinsungen bestreiten, und als nun die Herrschaft die finanziellen Ausfälle ihrer größten mährischen Stadt zu fühlen begann, fand sie bei ihr endlich williges Gehör, sie von den militärischen Einquartierungen zu befreien (1625). Aber noch auf andere Weise versuchte der Fürst die Einwohner von Proßnitz zum katholischen Glauben zu zwingen. Er griff an den Lebensnerv der Gewerbler, indem er das Verbot aussprach, solche Leute in die Zünfte aufzunehmen, die bei Protestanten ausgelernt hatten (1625) und wenige Jahre später (1628) alle Protestanten aus den Zünften ausschließen ließ13). Den Schankbürgern stellte er außerdem das Braurecht ein. Kein Wunder, daß immer mehr der protesftantisehutraquistischen Gewerbler die Stadt verließen, um sich in Ungarn niederzulassen. 1626 standen bereits 400 Häuser leer und verlassen14). Die Verhältnisse verschlechterten sich noch, als trotz der vom Kaiser erlangten Verfügung Proßnitz auch in Hinkunft von Truppendurchmärschen und Einquartierungen nicht verschont blieb und die Schuldenlast derart anwuchs, daß schließlich um ein Moratorium angesucht werden mußte, und als dieses nur zum Teil bewilligt worden war, eine Ausgleichskommission eingesetzt wurde. Doch auch diese Maßnahme führte nicht zum Ziel, die Anleihen, die aufgenommen werden mußten, wurden immer größer. Da die Einwohnerschaft durch Abwanderung immer mehr zusammenschrumpfte, brachten die wöchentlichen Sammlungen nur geringe Summen ein, so daß auf die Anleihen keine Abzahlungen geleistet werden konnten. Die Gläubiger ließen Angehörige des Stadtrates einkerkern. Maximilian von Liechtenstein, der seit 1627 regierte, nahm auf diese Verhältnisse keine Rücksicht und bestätigte erst dann die städtischen Privilegien, bis sich die Stadt damit einverstanden erklärte, den Jahreszins um das Dreifache erhöhen zu lassen (1633). Die Situation wurde immer verzweifelter; im folgenden Jahre konnten nicht einmal 300 fl. mehr aufgetrieben werden, die Landskron zur Unterstützung verlangt hatte; so sehr war die Stadtbevölkerung durch die wöchentlichen Sammlungen und Haustaxen, die zur Tilgung der Schuld an Liechtenstein und andere Gläubiger notwendig waren, verarmt. Zu dieser Zeit wurden alle Wertstücke und Kleinodien an die heimischen Juden verkauft oder versetzt15). Die Stadt war vollkommen 330