Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 333)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2644300-2644305--1339-2645682- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
P r o ß n i t z finden. Über Handel mit alten oder neuen Kleidern wird aus dieser Zeit nichts bekannt. Die Herrschaft Plumenau, zu der Proßnitz als einzige Stadt gehörte, wurde 1599 von Carl von Liechtenstein erworben. Drei Marktflecken und 30 Dörfer gehörten zu ihr. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wird die Einwohnerzahl des ganzen Dominiums auf 13.500 geschätzt7). Die Schutzstadt allein zählte an 650 Häuser8), darunter beinahe ein halbes Hundert Judenplätze, die Seelenzahl der Stadt hat das sechste Tausend erreicht, wenn nicht überschritten, das ganze Land befand sich in materiellem Aufstieg — da begann der Dreißigjährige Krieg — ein vollkommener Umschwung trat ein. * Mähren, das schon vom Jahre 1619 an unter den Ereignissen des beginnenden Krieges zu leiden hatte, kam erst Ende 1621 zu einem kurzen Frieden9). Nach dervollständigen Niederwerfung der Rebellion in der Schlacht am Weißen Berge, begannen auch in Mähren die gegenreformatorischen Bestrebungen bald schärfere Formen anzunehmen. Nachdem 1621 bereits der Anfang gemacht worden war10), wurde vom nächstfolgenden Jahre an systematisch auf dieses Ziel, das Land dem katholischen Glauben wiederzugewinnen, hingearbeitet. Carl von Liechtenstein, der in demselben Jahre, in dem er die Herrschaft Plumenau (der auch Proßnitz angehörte) erworben hatte, zum Katholizismus übergetreten war — und dem dieser Glaubenswechsel zu den höchsten Würden verholfen hatte (1608 erhielt er den Fürstenrang) — war 1622 zum Statthalter von Böhmen ernannt worden, nachdem er vorher die höchsten Ämter, die Mähren bot, innegehabt hatte11). Als solcher war der Fürst von Liechtenstein die hervorragendste Persönlichkeit bei der Durchführung der Gegenreformation. Noch als Stellvertreter des Herzogs Maximilian von Bayern begann er mit den härtesten Maßregeln seine Schutzstadt, Proßnitz, dem katholischen Glauben zuzuführen. Schon 1621 quartierte er auf Kosten der Einwohnerschaft starke Abteilungen des kaiserlichen Heeres ein. die die Stadt brandschatzten; ihnen folgten sächsische Abteilungen, die wiederum Maximilian von Liechtenstein, der hier sein Winterlager aufschlug, und kroatischen Heiduken Platz machten. Die Lasten, die solch ständige Truppenmassen der Stadt zu tragen auferlegten, beliefen sich schon am Ende des Jahres 1622 auf 90.880 fl. und erreichten zwei Jahre später die ungeheuere Summe von 275.572 fl.12). Nachdem noch 329