Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 332)
- Language
- German
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ungefähr 6000 angewachsen, es gab neben den beiden reich beschickten Wochenmärkten vier einwöchentliche Jahrmärkte und außer diesen eine Reihe von Pferdemärkten, die sich eines guten Rufes erfreuten. Die christlichen Handeltreibenden teilten sich in Krämer, deren es 16 gab, in zwei bis drei Gewandschneider, die neben selbst erzeugtem auch flandrisches Tuch verkauften, und zwei Eisenhändler; im ganzen gab es ihrer ungefähr zwanzig1). Die Anzahl der Zünfte hatte sich seit dem Ende des vorigen Jahrhunderts nicht vermehrt. Immer noch gab .es 13 zünftig organisierte Gewerbe, während eine ganze Reihe anderer die zur Zunftbildung notwendige Mindestzahl an gleichartigen Gewerbetreibenden nicht erreichte. Unter den Zünften standen Brauberechtigte und Tuchmacher an erster Stelle, beinahe auf gleicher sozialer Stufe, die Schneider kamen nach den Fleischern und Kürschnern, die Tischler nehmen in der Rangfolge nach Töpfern, Schmieden und Wagnern, dann Schustern, Webern, Seilern und Böttchern die letzte Stelle ein2). Die Zahl der Angehörigen der Schneiderzunft hatte sich gemäß der wachsenden Einwohnermenge vergrößert; im Jahre 1612 konnten sie mit den Schustern gemeinsam an die Errichtung einer Zunftherberge schreiten3). Kräftiger entwickelte sich in dieser Zeit der Judenhandel4). Der Wollhandel, auf den wir schon im vorigen Jahrhundert gestoßen waren, nahm weite Formen an. Die ganze blühende Tuchmaöherzunft bezog ihren Bedarf im Großen oder Kleinen von den heimischen Juden. Zum Teil selbständig, zum Teile mit dem Wollhandel verquickt, sehen wir auch Juden als Geldverleiher auftreten. Bares Geld wird unter die verschiedenen Gewerbetreibenden verliehen, oft auch Wolle an minderbemittelte Tuchmacher kreditiert und das Endprodukt an Zahlungsst&tt entgegengenommen. Auch der Import von Luxusgütern aus dem Auslande nimmt zu. Seidengewebe werden aus Nürnberg bezogen (1601), ebenso aus Augsburg und Ulm. Krämerwaren erwerben sie von fremden, sowie von einheimischen Kaufleuten, um sie weiterzuverkaufen. Oftmals handelt es sich um große Summen. Unter dem Schutzzins, den die Proßnitzer Juden an die neue Grundherrschaft, die Herren von Liechtenstein, zu zahlen hatten und der im Verhältnis zu den Zinsungen, die die Stadt zu leisten hatte, sehr hoch war (99 Schock 28 gr. gegen 553y2 Schock)5), finden wir 1618 bereits 5 fl. 10 gr.6), die als Handwerkszins für jüdische Schneider zu entrichten waren. Es ist vor dem Dreißigjährigen Kriege die erste positive Nachricht, die wir über das Vorkommen jüdischer Schneider in