Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 331)
- Language
- German
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Vorschriften gemäß verfahre, wohl vor jedem andersgläubigen Schneider bei der Anfertigung eines jüdischen Kleides den Vorzug erhalten haben. Es steht demnach außer jedem Zweifel, daß die Schneiderei unter Juden viel früher als rituelles Gewerbe geübt wurde, als wir von ihrem Dasein Kunde erhalten. Bekannt wird ihre Existenz erst, bis sie das Ghetto überschreitet und mit dem christlichen Zunftschneider auf städtischem Boden durch den Verkauf neuer christlicher Kleider in Konkurrenz tritt. Für Proßnitz, sowie die meisten anderen mährischen Judengemeinden wird das Vorkommen jüdischer Schneider bis ans Ende des 16. Jahrhunderts nicht urkundlich belegt. Nur in Straßnitz wird 1590 ein jüdischer Schneider62) erwähnt, in Trebitsch um 159363). Jetzt werden wir auch die eingangs gestellte Frage, woher die von Juden verkauften neuen Kleider stammen, mit einiger Wahrscheinlichkeit beantworten können. Zum Teil werden sie von jüdischen Schneidern selbst angefertigt worden sein, zum Teil durch ländliche Pfuscher im Auftrage von Juden genäht werden. Werden doch auch von jüdischen Handwerkern in Prag, schon in vorweißenbergischer Zeit, christliche Pfuscher, die als Gesellen aus irgendwelchem Grunde bei keinem Zunftmeister arbeiten können, in beträchtlichem Maße beschäftigt64). Zweites Kapitel. Der Status vor dem Dreißigjährigen Kriege und die Umgestaltung nach demselben. Der Handel der Stadt Proßnitz und die iSchneiderzunft »bis zum Dreiftgjährdigen Kriege. — Die Juden. — Die Stadt während des Krieges. — Ihr Zustand nach demselben. — Der Stadthandel. — Die iSchneiderzunft. — Die Juden von Preßnitz während und nach dem Kriege. — Ihr Handel. — Das kaiserliche Privileg von 1629. — Proßnitzer Juden auf ausländischen Messen. — KMderhandel der mährischen Juden während des Krieges. —Kleiderhandel der Proßnitzer Juden. — Die Judenschneider. — Gegensätze zwischen der Schneidernunft und den jüdischen Kleiderhändlern. — Das Handwerksprivileg der mährischen Juden von 1629. — Dessen Erweiterung durch »den Grundherrn. — Der Kundenkreis des Judenschneiders. — Die Struktur der „Judenschneiderei". — Judenfreumdliche Politik der Grundherren nach dem Kriege und ihre Ursachen. — Der jüdische Kleiderhandel im übrigen Mähren. — Die jüdische Schneiderzunft von Nikolshurg. — Privilegien der Judenschneider von Leipnik, Holleschau und Göding. — Einflüsse polnischer Exulanten? — Jüdischer Kleiderhandel in Wien, auf der Leipziger Messe, in Frankfurt a. M., Frankfurt a. O., England und Frankreich. Der Handel der Stadt Proßnitz vor dem Dreißigjährigen Kriege entwickelte sich in demselben Maße, wie die Stadt seihst. Die Zahl der Einwohner war bis zum zweiten Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts auf 327