Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 327)
- Language
- German
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der Wucher der Juden nicht ärger sei als die Zinsen, die christliche Gläubiger nehmen33). Kompetenzstreitigkeiten zwischen jüdischen Händlern und christlichen Gewerblern waren an der Tagesordnung. Auch die jüdischen Fleischer, die ältesten (bekannten) jüdischen Gewerbetreibenden, versuchten (1564) ihren christlichen Genossen dadurch Konkurrenz zu machen, daß sie das Recht für sich in Anspruch nahmen, auch für Christen Fleisch auszuhacken34). Als das Übergewicht des jüdischen Handelsstandes allzu fühlbar wurde, ersuchte die Stadt im Jahre 1575 ihren Schutzherrn Wratislaw von Pernstein um die „Beschenkung", die Juden austreiben zu dürfen. Sie verpflichtete sich, den Judenzins weiter zu bezahlen35). Obwohl der Grundherr diesem Anerbieten nicht wohlwollend gegenüberstand, behaupteten die Juden, die Stadt gerne zu verlassen, um „ins Pollner Land" zu ziehen, allerdings unter der Bedingung, daß ihnen ihre Häuser zum vollen Wert abgekauft werden36). Inn nächsten Jahre scheinen tatsächlich einige Familien die Stadt bereits verlassen zu haben, und diejenigen, die noch geblieben sind, suchen um die Bewilligung an, auf der Herrschaft Tobitschau, entweder in Tobitschau selbst, oder in Prerau,4 Kejetein, Kralic Häuser erkaufen und sich ansiedeln zu dürfen37). Die Ausweisung verzögerte sich aber von Jahr zu Jahr, weil die christlichen Kaufleute die Judenhäuser nicht ankaufen wollten und daher Termin auf Termin gestellt werden mußte. Schließlich kommt es 1584 „auf vielle Fürbitt gutter Leuthen und auf diese Bitt der eltisten Juden" zu einem Vergleich, der vom Grundherrn bestätigt wird; gegen Entrichtung von 500 fl. bleibt den Juden weiterhin das Aufenthaltsrecht und die „Nahrung" gesichert38). Außer den vor 1575 betriebenen Handelszweigen hören wir jetzt vom Besuch der Linzer Messen durch Proßnitzer Juden (1586), wohin sie wagenweise Federn zum Verkauf führen39), der Wollhandel40) blüht, waren doch die heimischen Tuchmacher starke Konsumenten, schließlich erfahren wir aus einer Eingabe der Judenrichter an den Grundherrn, daß zwischen 1583 und 1595 Proßnitzer' Juden durch .einige Monate auf geschäftlichen Reisen in Prag, Ungarn und Breslau weilten41). Das Ghetto selbst war am Ende des 16. Jahrhunderts noch recht klein. 1580 bestand die Judengemeinde aus 31 Familien, die ebensoviele Häuser bewohnten42). Sechs Jahre später war der Stand unverändert43) und erst im Jahre 1590 zählte man 33 Familien ohne Inleute44), was einer annähernden Stärke des Ghettos von 350—400 Menschen gleichkam. Die ganze Stadt zählte zu dieser Zeit ungefähr 5000 Seelen45). 323