Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 320)
- Language
- German
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Zeit von einem eigentlichen Handel, von einigen Höklern und vielleicht 2—3 kleinen Krämern abgesehen, keine Rede sein. Noch vereinigte der Erzeuger auch den Vertrieb seiner Ware in einer Person0). Im 15. Jahrhundert, während der Hussitenkriege, stockte die eben reger werdende Handelstätigkeit vollkommen. Als Strafe für das Vorgehen tschechischer Bürger, die sich zum Kelch bekannten, gegen ihre deutschen katholischen Mitbürger, die sie aus Proßnitz gedrängt hatten, verwüstete Markgraf Albrecht von Österreich (1431) die Stadt; viele Bewohner wandten ihr den Rücken6). Trotz all der Hemmnisse entwickelte sich die Tuchmacherei immer kräftiger und wir finden Proßnitzer Krämer um 1471 mit heimischem Tuch in Ungarn und besonders in Breslau, wo sich der gesamte schlesische Handel konzentrierte7). Am Ende dieses Jahrhunderts erhielt die Stadt zwei weitere achttägige Jahrmärkte (1486, 1491); andererseits konnten aber Gewerbetreibende unter den Proßnitzer Bewohnern zum Besuche anderer Märkte die Stadt nicht verlassen, da sie für die Schulden ihres Grundherrn, für die sie bürgten, oft in Haft gezogen wurden. Trotzdem sich die Zahl der Gewerbe vermehrte, trug die Stadt doch noch überwiegend agrarischen Charakter. Um zumindest innerhalb ihrer Mauern diesen Charakter abzustreifen, wird beschlossen (1494), daß niemand mehr zum Mitbürger aufgenommen wird, der sich nicht „auf städtische Art und Handel, sondern nur durch Landwirtschaft ernähren kann"8). Nachdem die Stadt einen zweiten Wochenmarkt erhalten hatte (1528), gelang es ihr auch, die Zahl-der Jahrmärkte noch um einen vierten (1534) und um drei Pferdemärkte zu vermehren. Die Erzeugnisse der Proßnitzer Tuchmacher erfreuen sich in immer weiteren Gebieten großer Beliebtheit, wir finden sie am Ende des 16. Jahrhunderts auf den Märkten von Krakau und Gnesen9). Trotzdem in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts schon 79 Gewerbearten10) in der Stadt vertreten sind, gibt es auf der anderen Seite nur kleine Kaufleute, die die Waren, die sie in größeren Posten erkauften, im Kleinen verkauften. Sie waren ständig auf den Wochenmärkten vertreten; es waren 2—3 Gewandschneider, die gleichzeitig Tuchmacher waren, Eisenhändler und Hökler; neben ihnen verkauften Sämäschgerber, Seifensieder, Lebkuchner, Messerschmiede und andere ihre Erzeugnisse. So entrollt sich vor uns am Ende des 16. Jahrhunderts folgendes Bild: an erster Stelle stehen die Krämer, deren Zahl auf 16 angewachsen ist, ihnen folgen die brauberechtigten Schankbürger, deren Rechte von dem in der Stadt ansässigen kleinen Adel oft verletzt werden11), dann kommen die reichen Tuchmacher, die außerdem Ackerbau, Mälzerei und Viehzucht betreiben, nach ihnen alle übrigen Gewerbegenossen, schließlich die Vorstadt-Ackerbürger und die Inleute12). Während Bäcker, Fleischer 316