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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 319

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 319)
Language
German
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IRI
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ganze Land zerstreut waren. Dieses Netz kleinerer und größerer Handelszentren ermöglichte erst den Juden die ökonomische Durchdringung des Landes Mähren. Trotzdem werden wir bei den nun folgenden Untersuchungen immer zuerst unsere Aufmerksamkeit auf Proßnitz richten und dann zum Vergleiche und zur Vertiefung unserer Erkenntnisse die übrigen mährischen Judengemeinden heranziehen; auf diese Weise wird es uns vielleicht gelingen, das Typische vom Zufälligen zu scheiden. Wir werden die besondere Art eines alten jüdischen Handelszweiges kennen lernen und versuchen, den „Stammbaum" .einer Industrie klarzulegen, der weder gekannt, noch (bis auf Sombart) vermutet wird. Gilt doch die Konfektionsindustrie als ein relativ junger Produktionszweig, dessen Anfänge man meist in die Mitte, bestenfalls an den Anfang des 19. Jahrhunderts verlegt. Daß aber auch diese Industrie eine Vergangenheit hat, die ebenso alt ist wie z. B. die der Tuchindustrie, soll uns nun bald klar werden. Erstes Kapitel. Von 1390 bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts. Handel und Crewerbe der Stadt Proßnitz. — Die Schneiderzunft. — Entstehung des Pfusohertums. — Der Judenhandel. — Der Handel mit alten Kleidern. — Beginnender Handel mit neuen Kleidern. — Entstehung des jüdischen Handwerks. — Die ersten jüdischen Schneider ion 16. Jahrhundert. Proßnitz, das an einer wichtigen Handelsstraße1), der alten Verbindungslinie der Donauländer mit dem polnischen Osten, liegt, wurde, obwohl schon 1250 als Marktflecken bekannt, erst am Ende des 14. Jahrhunderts (1390) mit einem, wahrscheinlich achttägigen, Jahrmarkte beschenkt2) und stieg in die Reihe der mährischen Städte auf. Zu dieser Zeit hatte Proßnitz (ohne die Vorstadt) 62 Häuser, die um den Hauptplatz lagen und zwei Gassen bildeten. Nach der Benennung der Tore und Gassen läßt sich auf die zu dieser Zeit am stärksten vertretenen Gewerbe schließen. Es waren dies die Tuchmacherei, die Weberei und die Landwirtschaft (letzteres nach der Bauerngasse, platea rusticorum, zu schließen3). Neben den begüterten 31 brauberechtigten „rinkleuten", die durch das Meilenrecht ein ergiebiges Monopol auf die Bier- und Malzerzeugung genossen, standen die Tuchmacher auf gleicher sozialer Stufe. Einige von ihnen konnten ihre Töchter an kleine Edelleute der Umgebung verheiraten4). Außer den angeführten Gewerben finden wir noch zu Beginn des 15. Jahrhunderts die wahrscheinlich am frühesten vertreten gewesenen Fleischer und Bäcker. Trotzdem kann zu dieser 315

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