Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 318)
- Language
- German
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Gewähr für einen leichteren, daher sichereren Verkauf boten. Von einem regelmäßigen und konstant stattfindenden Kleiderhandel, wie wir ihn später in anderem Zusammenhang kennen lernen werden, kann auch hier keine Rede sein. Dasselbe gilt für die Tatsache, daß wir im Jahr« 1787 unter den Artikeln, die aus Frankreich in die afrikanischen Kolonien exportiert wurden, neben vielem Anderen auch Kleider finden24). In gar keinem Zusammenhang damit steht der spätere Handel Pariser großer Schneider mit übriggebliebenen Kleidungsstücken an kleine Trödler, oder der Beginn regelmäßiger Sendungen von Hosen und Westen um 1825 in die französische Provinz25). All diese genannten Beispiele, die sich über so weite Zeiträume und die verschiedensten Gebiete erstrecken, sind für die eigentliche Entwicklung zielbewußter Massenherstellung von Kleidern ohne erkennbaren Einfluß geblieben. Es sind dies durch Zeit, Ort und besondere Umstände bedingte Erscheinungen, die, ohne Keime einer späteren Entwicklung zu hinterlassen, verschwanden, wie sie entstanden sind. # Wie steht es nach all dem um die Behauptung Sombarts, die wir zum Ausgangspunkt unserer Untersuchungen gewählt haben? Um so mehr, als er sie an anderer Stelle noch dadurch bekräftigt, daß er von den Juden sagt: „Fast überall sind sie die Begründer der Konfektions industri e"26). Sollte der Anteil der Juden vielleicht erst später, um die Mitte des 19. Jahrhunderts etwa, stärker eingesetzt und schließlich zum Erfolg geführt haben? Um dies beurteilen zu können, müssen wir uns einem Lande zuwenden, in welchem Juden ununterbrochen durch Jahrhunderte gelebt und gewirkt haben, in dem sich diese Wirksamkeit aktenmäßig verfolgen läßt und wo am frühesten im kontinentalen Europa sich eine mächtige Konfektionsindustrie herausgebildet hat: es ist dies Mähren und in diesem historischen Lande des außerordentlich regen Judenhandels das am stärksten entwickelte Handelsghetto: Proßnitz. Damit soll aber nicht gesagt werden, daß die übrigen 51 mährischen Ghettogemeinden von unserer Untersuchung ausgeschlossen bleiben sollen; im Gegenteil, liegt doch gerade die Stärke des mährischen Judenhandels in der Tatsache begründet, daß die Judenschaft nicht an einen Ort der „Judenstätigkeit", wie es in Deutschland z. B. Frankfurt am Main war, gebunden, sondern in mehr als einem Halbhundert Judengemeinden gesammelt, über das 314