Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 316)
- Language
- German
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die eifrige Handelstätigkeit der Hanßastädte, welche die engen Zunftordnungen schon frühzeitig lockerte, mit ins Gewicht fällt. Ähnlich verhält es sich mit dem Handel kostbarer Kleidungsstücke. Auch diese bildeten schon frühzeitig einen geschätzten Handelsartikel. Reiche Herren aus der Umgebung Karls des Großen erwerben teuere Seidengewänder von italienischen Händlern, in den Zollrollen des 8. und 9. Jahrhunderts finden sich neben Gold, Silber und Waffen auch Kleider, Gegenstände, die dem reichen Grundherren vorbehalten waren10). Aus dem Orient werden im 13. Jahrhundert kostbare Gewänder nach Europa gebracht11). Lange Zeit später, im 17. Jahrhundert, versehen wohlausgestattete Kleidermagazine in London aristokratische Kundschaft mit Luxuskleidern12). In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wird in Deutschland darüber Klage geführt, daß kostbare Kleider aus Frankreich eingeführt „und fast mehr als es... nützlich, in ein öffentliches Commerzium" kommen, gegen Ende des Jahrhunderts (1770) annonciert ein Pariser Kaufschneider alle Arten von neuen Kleidern für die bessere Kundschaft18). Wenn bedacht wird, welche Blüten der Kleiderluxus zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert getrieben hat, kann auch die Bedeutung des Handels mit Luxuskleidern richtig eingeschätzt werden14). Auch die kirchlichen Gewänder fallen in die Gruppe der kostbaren Kleider, mit denen gehandelt wurde. So sieht die Vectigal- und Maut-Ordnung für Brünn aus dem Jahre 1726 für die Einfuhr von „Meß-Gewand das von Sammet (Damaschk) oder Atlas gemacht ist mit seiner Zugehörung" eine Mautgebühr von 4 Kr. 22/y D. vor, für ein schlechtes die Hälfte16). In der „Allgemeinen Schatzkunde der Kauffmannschafft" von 1747 heißt es: „Ein anderer (als der Handel mit „kostbaren"' Kleidern) Kleiderhandel ist derjenige, wenn ein Kaufmann mit einem General oder Obristen contrahiret, daß er demselben die benöthigte Kleidung für so und so viel Regimenter und Compagnien verschaffen solle"16). Während durch diese Quelle für das Deutschland des 18. Jahrhunderts die kapitalistisch betriebene Schneiderei zur Befriedigung des Militärbedarfes erwiesen wäre, stoßen wir in England schon zu Beginn des 17. Jahrhunderts (1603) auf große Kaufschndder in London, die regelmäßige Kontrakte mit der Regierung auf Bekleidung des Heeres und der Marine abschlössen17). Auch für Mähren läßt sich dieselbe Tätigkeit für den Beginn des 18. Jahrhunderts nachweisen, als der große jüdische Heereslieferant Emanuel Baoharacher (1714) ganze Schneiderzünfte verschiedener mährischer Städte mit der Verarbeitung von Stoffen zu Monturen betraute, die er kontraktlich an die Stände zu liefern hatte18). 312