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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 315

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 315)
Language
German
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IRI
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schließlich der Handel mit solchen Kleidungsstücken, die durch das verarbeitete Material handelsfähig geworden waren, zu einer steten Massenproduktion von Kleidern? Wir wollen es nun sehen. Beginnen wir mit dem Letztgenannten: der verarbeitete Stoff soll für den Absatz maßgebend sein. Dies kann der Fall sein bei einem besonders geschätzten oder, im Gegenteil, bei einem durch seine Minderwertigkeit, gegebenenfalls auch durch einen anderen Umstand, besonders billigen Material. So verfertigten am Ende des 14. Jahrhunderts Olmützer Schneider und Altschneider Kleider für den Markt aus billigem und schlechtem Proßnitzer Tuch, das gegen die Bestimmungen des geltenden Magdeburger Rechts erzeugt wurde3). In deutschen Handelsstädten wiederum brachten Juden zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach der Aufhebung der Kontinentalsperre „gemachte Kleider4' auf den Markt, die aus billigsten englischen Stoffen gefertigt waren4). In beiden Fällen verleitete die besondere Billigkeit des Stoffes zur Herstellung von Kleidern für den Markt. Wir hörten aber andererseits, daß die besondere Güte (nicht zu verwechseln mit der Kostbarkeit) des Stoffes zur Kleiderherstellung für einen weiteren als den lokalen Markt veranlaßte. So handelten Juden in Mainz um 1150 mit Tuniken (Oberkleidern) aus flandrischem Tuch, das damals schon ob seiner Güte geschätzt war, nach Russia5). Im Freiburger Stadtrecht finden wir ebenfalls im 12. Jahrhundert Kleider als Handelsartikel erwähnt. Im 13. Jahrhundert handeln Kaufleute aus Lille mit Brügger Hosen nach Italien; 1252 sind in der Zunftrolle Margaretes von Flandern Hosen „packweise" erwähnt, ebenso 1262 in der Hamburger Zunftrolle. Im 14. Jahrhundert finden wir Hos.en und andere Bekleidungsgegenstände in den Läden von Lübeck, Danzig und anderen Hansastädten. Zu derselben Zeit handeln Schneider in Bergen, dem Hauptsitz hanseatisch-norwegischen Verkehrs, mit ihren Erzeugnissen über See. Straßburger Hosen wurden nach Italien, Lübecksche nach Venedig verkauft. In Neustadt Brandenburg werden „delremundsöhe Klederu angetroffen, ein Handlungshaus in Montauban treibt einen ausgedehnten Handel mit Kleidern und Putz6). Hanseaten, meistens aus Danzig, führen im 14. Jahrhundert Hosen nach Schweden7). Um 1453 erhalten Lübecker Alt- und Neuschneider vom Rate die Bewilligung, ihre Produkte auszuführen8); gegen Ende des 15. Jahrhunderts zählen bereits in Köln eine ganze Reihe von Schneidern neben anderen Handwerkern zu den Hansekaufleuten dieser Stadt9). (1470.) Wir sehen, daß bereits vom 12. bis zum 15. Jahrhundert reger Kleiderhandel getrieben wurde, wobei in den oben angeführten Fällen neben der besonderen Güte des Stoffes (Brügge, Straßburg etc.) auch 311

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