Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 314)
- Language
- German
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Einleitung. Somfoarts Behauptung über den Ursprung der Kanfektionsindustrie als Ausgangspunkt unserer Untersuchung. — Arten des Kleiderhandels, die nicht ausschließlich von Juden betrieben wurden. — Fragestellung. — Untersuchungsgeibiet. In dem viel umstrittenen Werk „Die Juden und das Wirtschaftsleben14 sagt Werner Sombart: „Eine jüdische Spezialität' war der Altkleiderhandel, aus dem sich der Handel mit neuen Kleidern entwickelte, der wiederum die Konfektionsindustrieerzeugt e"1). Wenn diese Behauptung richtig ist (und dies soll in der vorliegenden Studie auf breiter Basis untersucht werden), kann gefolgert werden, daß in bestimmten Perioden die Juden den Altkleiderhandel, in anderen wiederum den Handel mit neuen Kleidern in ihrer Hand konzentrierten. Sollten demnach niemals Angehörige nichtjüdischer Händlerschichten am Kleiderhandel, in welcher Form immer, teilgenommen haben? Auch auf diese Frage gibt uns Sombart Antwort. Er nennt, auf eine deutsche Quelle des 18. Jahrhunderts gestützt, zwei Arten des Handels mit Kleidern, welche, zum Teil wenigstens, nicht ausschließlich von Juden betrieben wurden. Es waren dies der Handel mit kostbaren Kleidern und die Herbeischaffung von großen Bekleidungsvorräten für den Militärbedar f2). Wir werden noch eine dritte Art kennen lernen, und zwar dann, wenn das Material, aus welchem das Kleidungsstück gefertigt wurde, von einer Beschaffenheit war, die es als b e s o n d e r s begehrenswert erscheinen ließ und so das Gewand für den Handel tauglich machte; denn vergessen wir nicht, daß der Handel mit Kleidern bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts nicht zur Norm gehörte und in den seltensten Fällen vom Produzenten selbst betrieben wurde. Das Schneidergewerbe war seinem ganzen Zuschnitt nach auf den Lokalbedarf eingestellte Kundenproduktion. Betrachten wir daher vorerst genauer, unter welchen Umständen trotzdem Handel mit Kleidungsstücken stattfinden konnte. Von einer unbedingten Vorherrschaft des jüdischen Elements in den vorgenannten drei Arten des Kleiderhandels werden wir vorläufig nichts hören, wenn sich auch hier ihre Teilnahme nachweisen läßt; wir wollen aber nicht außer Acht lassen, daß unsere Fragestellung ein weiteres Ziel verfolgt. Aus dem von Juden betriebenen Kleiderhandel soll sich ja die Konfektionsindustrie entwickelt haben, und zwar etappenweise; über den Trödel- und späteren Neukleiderhandel soll die Massenherstellung aller Arten von Kleidungsstücken für einen weiten Markt herausgewachsen sein. Und dies soll dem jüdischen Händler gelungen sein. Oder führte etwa der Handel mit kostbarem Gewand, die jeweilige Belieferung der Heere mit Monturen oder 310