Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 296)
- Language
- German
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Bild sowohl der Grundrisse als auch der äußeren Gestalt und Bauart nicht bloß der Städte und Städtchen, sondern auch der Dörfer Böhmens aus einer Zeit, für die uns nur wenig derartige Quellen erhalten sind. Schon aus dem Grunde wäre eine Gesamtausgabe angezeigt. Dieser Artikel beabsichtigt indes, vor allen Dingen auf dieses seltene topographische Denkmal aus dem Anfange des XVIII. Jahrhunderts, dessen großer wissenschaftlicher Wert außer allem Zweifel steht, nachdrücklichst aufmerksam zu machen15). Damit die Anschaulichkeit nicht fehle, sind in den Beilagen 14 Pläne reproduziert, welche die Eigentümlichkeiten dieser Quellenreihe erschöpfend kennzeichnen. Aus den erhaltenen Amtsakten läßt sich leider nicht feststellen, ob alle Grundobrigkeiten dem statthalterischen Auftrag betreff Vorlage der topographischen Pläne jener Pfarrdörfer, die auch von Juden bewohnt waren, entsprochen haben. Was wir von der Autorität der damaligen landesfürstlichen Administrative wissen, erweckt begründeten Zweifel daran, ob alle Obrigkeiten dieser Aufforderung nachgekommen sind. Wie schon erwähnt, entzog sich eine Anzahl Herrschaften dieser unangenehmen Verpflichtung durch die Versicherung, daß die große Entfernung der Judenhäuser von der katholischen Kirche die Anfertigung kostspieliger Pläne überflüssig erscheinen lasse. Aus den erhaltenen Relationen der Kreisämter an die Statthalter lassen sich inzwischen noch nähere Angaben über Judensiedlungen in folgenden Orten gewinnen: Cestin (GB. Kohljanowitz [Uhlirske Janovice]): die Juden wohnung wird in größere Entfernung von der katholischen Kirche verlegt werden. Neuhof (Nove Dvory, GB. Kuttenberg [Kutnä Hora]): das alte Judenhaus im Städtchen wird aufgelassen und ein anderes vor dem Tor hinter dem Teich errichtet werden, in größerer Entfernung von der Kirche. Habern (Habry): bei einem Judenhaua ist Ärgernis zu befürchten. Humpoletz: eine Judenwohnung wurde von der katholischen Kirche weiter weg verlegt. St. Jakob (GB. Kuttenberg): die Fenster des Judenhauses in der Richtung gegen die katholische Kirche werden kassiert und nach der entgegengesetzten Seite gerichtet werden. Windisch Jenikau: alle Judenhäuser auf der Herrschaft werden verlegt werden. Kosetice (GB. Unter Kralowitz): es wird ein christliches Haus errichtet werden, um den Juden den Einblick in die katholische Kirche zu verwehren. Unter Kralowitz: die Judenbehausung ist zwar recht weit von der katholischen Kirche, aber gelegentlich von Prozessionen könnte es doch zu Ärgernis kommen. 292