Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 295)
- Language
- German
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anderseits Militäroffiziere und schließlich auch einheimische Nichtfachleube herangezogen, welche sich bloß mit der schematischen Ver anschaulichung der Entfernung der Judenbehausungen von den Kirchen zufriedengaben. Ein Teil der Pläne ist in Form von Prospekten abgefaßt, d. h, in Gestalt einer Ansicht des Ortes aus der Vogelperspektive, so daß die Absicht des Zeichners unverkennbar ist, so viel als möglich von dem äußerlichen Gesichte der Gemeinde darzubieten. Die Mehrzahl der Pläne überliefert uns dagegen nur den Grundriß der betreffenden Gemeinden, wobei die fragliche Entfernung der Judenhäuser von den Kirchen ausdrücklich ausgezeichnet ist. Nur ein geringer Teil der Pläne beschränkt sich, wie gesagt, auf bloße und sehr unvollkommene schematische Veranschaulichung dieser Entfernung, ohne eine Situationsskizze des betreffenden Ortes zu bringen. Auf allen Plänen sind ausdrücklich die Judenbehausaingen, die Kirche, vielfach auch das obrigkeitliche Schloß und andere wichtigere Gebäude der Gemeinde angedeutet. Was den Sinninhalt der erhaltenen Pläne anlangt, so lehren sie uns, daß in den böhmischen Städten und Städtchen die Judenhäuser eigene Viertel bildeten, die von den Christenwohnungen abgeschlossen waren: so in Altstadt, Hefmanmestetz, Neuern, Petschau, Postelberg, Teplitz, Wotitz, Libochowitz. Sonst stehen die jüdischen Häuser und Häuschen teils verstreut inmitten der Christenhäuser, teils auf den Gemeinde¬ bzw, herrschaftlichen Grundstücken am Rande des Ortes, hinter den Christenbehausungen. Die verhältnismäßig häufige Anlage der Judenwohnungen in der Nähe fließenden Wassers oder eines Teiches hängt offenbar in erster Linie mit dem Gerbereibetriebe zusammen, wie wir ihn bei der Landjudenschaft sehr häufig antreffen. Dort, wo die Juden Bürgerhäuser an den Plätzen ihr eigen nannten, mußten sie die auf den Ring gerichteten Fenster zugemauert haben (Wotitz, Neweklau). Aus den Plänen ergibt sich leider nicht, ob es sich um Behausungen einzelner jüdischer Familien oder um gemeinsame Häuser für mehrere jüdische Familien handelt. Es scheint jedoch, daß die Mehrzahl der Judenhäuser in den Landgemeinden nur von einer -einzigen Judenfamilie bewohnt war, der in einzelnen) Fällen auch ein Garten beim Hause zur Verfügung stand. Graphisch wäre zu erwähnen, daß die Judenhäuser auf den Plänen vielfach gelb angelegt und die Pläne nicht selten gelb umrandet sind. Einzelne Pläne zeigen als Staffage oder als Vignette Judengestalten mit ihrem Abzeichen, der Halskrause. In der Zeugenreihe finden sich hie und da schöne Siegelabdrücke, darunter einige Stadtsiegel. Die Bedeutung der erhaltenen Pläne ist jedoch mit der Feststellung der Judenisiedlungen in den Landstädten Böhmens keineswegs erschöpft. Ihre Bedeutung reicht viel weiter. Sie bieten uns ein recht verläßliches 291