Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 291)
- Language
- German
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betrieben oder Geld zu verhältnismäßig hohen Zinsen darliehen, wohnten damals entweder in herrschaftlichen oder Gemeinde-Judenhäusern, je nachdem sie auf herrschaftlichem oder auf Gemeindegrund erbaut waren, und zahlten der Obrigkeit Schutzzins in Geld oder Naturalien (Inselt, Hafer, Pfeffer, Ingwer <u. dgl.) und überdies noch besondere Gebühren von den jüdischen Friedhöfen5). Die jüdischen Häuser und Häuschen waren entweder von einer oder häufig genug von mehreren Judenfamilien bewohnt, die hier zur Aftermiete waren. So wohnten z. B. in Böhmisch-Leipa i. J. 1724 insgesamt 358 jüdische Einwohner in 15 Judenhäusern, so daß auf ein Haus im Durchschnitt 24 jüdische Bewohner kamen, also ein ziemlich hoher Durchschnitt6). Die Verhältnisse auf dem Lande waren in dieser Hinsicht zwar nicht so schlecht wie im Prager Ghetto, wo die Übervölkerung des Ghettos und die daraus folgenden hygienischen Anstände beständig und gewiß mit gutem Grund Anlaß zu zahlreichen Beschwerden boten, trotzdem aber dürften es die Schwierigkeiten gewesen sein, die sich den Juden bei der Erwerbung weiterer. Häuser in den Weg stellten, die auch auf dem Lande zur Überfüllung der jüdischen Häuser mit der wachsenden Zahl der Judenfamilien führten. Das Bestreben der Juden in den Landstädten und -Städtchen, sich soviel möglich mitten im Orte unter der christlichen Bevölkerung einzukaufen, brachte natürlich die Ortsbevölkerung gegen sie auf, die unter ihrer Geschäftstüchtigkeit und der damit zusammenhängenden unerwünschten Konkurrenz litt, und diesen Befürchtungen entsprangen dann die Bemühungen, die Juden möglichst weit aus der Mitte der Orte an die Peripherie zu verdrängen, wo sich keine so aussichtsreiche Gelegenheit bot, Handel und Handwerk mit soviel Erfolg zu betreiben. Neben diesen wirtschaftlichen Motiven trug zur Steigerung der gegenseitigen Animosität zwischen christlicher und jüdischer Bevölkerung auch das vielfach nicht hinreichend vorsichtige Benehmen einzelner Juden gelegentlich der unterschiedlichen religiösen Andachtsübungen der christlichen Bevölkerung bei, was manchmal sogar zu blutigen Ausschreitungen führte. Besonders die in ehemaligen Christenhäusern auf den Ringplätzen der Städte und Städtchen wohnenden Juden waren am meisten der Gefahr von Angriffen der katholischen Bevölkerung bei Prozessionen, beim Fronleichnamsfest, bei Krankengängen mit dem Altarssakramente u. dgl. ausgesetzt. So hören wir z. B. von einem ähnlichen Exzeß gerade um diese Zeit, aus dem Jahre 1727: in Wotitz überfielen etwa 20 Personen das Hans des Juden Klauber am Ringplatz, um ihn gewaltsam in ein anderes Haus weiter abseits der Stadtmitte umzuquartieren. Auf den Protest des Klauber, daß die Juden dieses Haus bereits über 100 Jahre in den Stadtbüchern einverleibt hätten, ordneten die Behörden an, der Jude dürfe zwar in sein 287