Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 287)
- Language
- German
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Die Judensiedlungen in Böhmen auf den Ortsplänen vom Jahre 1727. Von Dr. Frantisek R o u b i k *). Deutsch bearbeitet von Dr. Anton Blaschka. Mit 14 Plänen. Die Judenschaft Böhmens, deren interessanter Geschichte im Zeiträume nach der Schlacht auf dem Weißen Berge man bei uns erst jetzt allmählich planmäßigere Aufmerksamkeit schenkt1), war vorwiegend durch das Prager Ghetto repräsentiert und dieses zog um seiner finanziellen und kommerziellen Bedeutung willen naturgemäß in erster Linie die Aufmerksamkeit der landesfürstlichen Behörden auf sich. Die alte Animosität der christlichen Bevölkerung der Judenschaft gegenüber, welche vor allen Dingen der Furcht vor der starken kommerziellen Konkurrenz des tüchtigeren und regsameren jüdischen Elementes entsprang und nur ab und zu durch religiöse Motive maskiert wurde, fand ihren Ausdruck in zahlreichen Reduktions<- und Exstirpationsversuchen, doch schließlich und endlich trug das kamerale Interesse den Sieg über die politischen Argumente davon und rettete so die böhmischen Juden vor der drohenden Landesverweisung2). Diese antijüdischen Ausrottungsversuche, welche sich wie ein roter Faden durch ganze Jahrzehnte ziehen und nach der jeweiligen Zeitstimmung mannigfache Wandlungen durchmachen, waren allerdings zunächst gegen die Prager Judenschaft gerichtet, welche in erster Linie die Eifersucht der Prager Geschäftskreise erregte. Doch bald wurden die Stimmen immer lauter, man solle ebenso scharf auch gegen die wachsende Landjudenschaft vorgehen, die für die christlichen Handelsleute keine minder gefährliche Konkurrenz bedeutete. Zu Beginn des XVIII. Jahrhundertes war es vor allem das Kommerzkolleg, welches hauptsächlich seit dem Jahre 1715 die Judenreduktionskommission immer wieder auch auf die Landjudensehaft Böhmens aufmerksam machte und darauf hinarbeitete, auch diese in den Judenverfolgungsplan der landesfürstlichen Behörden aufnehmen zu lassen. Von da an geht also das Programm einer Reduktion des Prager Ghettos Hand in Hand mit dem Bestreben, die Zahl sämtlicher Judenschaft Böhmens herabzusetzen, auch auf dem flachen Lande. Neben den politischen 285