Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 263

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 263)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2644300-2644305--1269-2645612
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

dieses Teiles, der wichtigste, interessanteste, aber auch kulturhistorisch bedeutendste Bestandteil des Gemeindebuches (unseres Pinax). Der Besitz von Grund und Boden war den Juden jener Zeit von der Gutsherrschaft kärglich zugemessen, der Platz in der Synagoge war zuweilen der einzige Grundbesitz ded Juden, was Wunder also, wenn die Vermessungen und Übertragungen so präzise verzeichnet wurden. Ein Synagogensessel im Werte von 10 bis 25 rhein. Gulden bildete zuweilen die Mitgift der Tochter, war das Erbe minderjähriger Kinder, diente als Sicherstellung für kontrahierte Schulden, oder war Gründungskapital zu einer Unternehmung; die Not der Zeit — der Pinax wurde bald nach dem Dreißigjährigen Kriege angelegt — und des Einzelnen, spiegelt sich darin ab. Doch lassen wir das Buch selbst sprechen. Torstensons Soldateska hat 1643 auch die Synagoge von Tobitschau verwüstet, darauf bezieht sich der Eintrag, welcher dem Schulsessel- Verzeichnisse vorangeht und welcher in wortgetreuer Übersetzung lautet: „Nachdem ja bekannt und weithin verbreitet, daß unser Heiligtum (Gotteshaus) hier in der heiligen Gemeinde Tobitschau im Kriegsgetümmel durch die Schweden zerstört wurde, auch der Pinax der Gemeinde, in welchem die Plätze unseres Prachtbaues (Gotteshaus) verzeichnet waren, wurde verbrannt und wir glichen Verirrten. Am heutigen Tage aber wurden durch glaubwürdige Zeugen, welche in keinem verwandtschaftlichen Verhältnisse zu den weiter unten verzeichneten Besitzern der Schulsessel stehen, die Namen derselben festgestellt. Deshalb kann man sich auf deren Worte stützen und auf deren Aussagen hin wurden die Plätze den Eigentümern zugeschrieben. Dies sind: zwei Plätze in der Nähe des Leuchters, rechts, auf der nordöstlichen Seite sind Eigentum des hrr11) Mose Mandum12), b (= ben Sohn) Elieser, er lebe zu langen und guten Tagen13). Jeder der genannten Plätze ist % Ellen breit, beide Plätze IV2 Ellen breit. Abraham Prostitz (Proßnitz), Vorbeter und Beglaubter hier in Tobitschau," Die folgenden zwei Einträge sind datiert und lauten: „Am heutigen Tage, Sonntag, Neumondstag Cheschwan 410, der kleinen Zeitrechnung14) (30. Tischri, 7. Oktober 1657), hat Izik, Sohn Schlomoh, von Frau Rösle, Tochter mhrr Jisroel, sein Andenken zum Segen, und ihrem Schwiegersohne Sendet (Verkürzung aus Benedict) Axelrad, S. (Sohn) Joel ha-Levi und ihrer Tochter, das ist dessen Frau Saril, Tochter des Märtyrers Jehuda Löb h j d 15), zwei Plätze, IV2 Ellen breit, gekauft. Diese zwei Plätze sind in der unmittelbaren Nähe des Leuchters linker Seite situiert; die Breite eines Platzes ist % Ellen. Der Verkauf wurde auch durch Mantelgriff16) seitens des genannten Ehepaares rechtsgültig. So geschehen am obenbenannten Tage." Unterschrift wie oben. 258

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.