Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 262)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2644300-2644305--1268-2645611- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Aus dem Pinax1) von Tobitschau. Von Heinrich F 1 e s c h, Dohri Kounice. Tobitschau, hebräisch K*)tPÜ,0&H> auch K^lKt^ß^Sin und iOlt^SD^SXtD 2)> 8- Tovacov, einst eine Gemeinde mit 25 systemisierten Familienstellen3) und einer Anzahl von Emigrantenfamilien4), zählt jetzt samt den zugewiesenen Ortschaften kaum 80 jüdische Seelen. Einst eine Gemeinde mit reichem jüdischen Geistesleben, hervorragende Rabbiner, gelehrte Vorsänger und Schammaschim (Diener), Melamdim (Lehrer) walteten dort ihres Amtes; gar mancher Judenrichter und Almosenkassier zählte zu den Gelehrten, führte den Titel Mhrr5), heute eine knappe Zehnzahl zur Abhaltung des Gottesdienstes. Ein Bild des Zerfalles auch der Pinax6) der Zedakah7). Einst war es ein stattliches Buch, in weißes Pergament gebunden, heute ist das Pergament von der Zeit geschwärzt, vom Wurme angebohrt, die Pressung kaum sichtbar, auf der Vorderseite nur die eingepreßten lateinischen Buchstaben HCHDPCC8) zu lesen, auf der Innenseite hat ein Zebi, Sohn Jizchak „ed" (Zeuge), seinen Namen in hebräischer Druckschrift dreimal verewigt —'■ eine Schreibübung zu einer Unterschrift als Zeuge auf einen Scheidebrief — und ein „Josef, Sohn meines Herrn Vaters Jehuda, sein Andenken zum Segen''9), sich eingetragen; die Schließen fehlen, die Blätter sind lose, das Papier morsch, brüchig, die Schrift an zahlreichen Stellen völlig verblaßt. Das Buch in Quartform (Kleinquart), 124 Blatt (248 Seiten), unregelmäßig, nicht fortlaufend und nur teilweise paginiert, diente verschiedenen Zwecken. Es war vom Jahre 1645 bis zum Jahre 1695 Kassabuch der Zedakah. Dafür wurden 69 Blatt (138 Seiten) verwendet. Ein halbes Jahrhundert werden die Schuldigkeiten der einzelnen Gemeindemitglieder an den Almosenverein und die Abstattungen verzeichnet; es sind 125 Namen10) von Gemeindemitgliedern, welche uns der Pinax überliefert; jedes Gemeindemitglied hat sein eigenes Folio. Die Männer und Frauen, welche sich durch Spenden von Torahrollen, Torahparamenten und Silberschmuck Verdienste um die Gemeinde erworben, werden im Pinax rühmend genannt und ihnen ein dauernd Gedenken gewidmet, 6 Seiten dienen diesem Zwecke. Als Grundbuch der Synagogensessel umfaßt der bebr. geführte Pinax auf 43 Blatt (86 Seiten) den Zeitraum vom Jahre 1650 bis zu dem Jahre 1730. In diesem Teile werden die AuSr maße der Synagogensitze und deren Besitzer verzeichnet. Kauf und Verkauf, Tausch und Umschreibung der Schulsessel bilden den Inhalt 257