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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 204

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 204)
Language
German
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wurde, geht aus der von den Juden am 26. Juni 1648 dem Grafen Slawata überreichten Bittschrift hervor, worin dieselben klagen: „Weil da uns arme leit bei dieser Gemeine gantz keine narung zu gelaßen wird alß wie änderst wo gebräuchlich ist......U44). Im Jahre 1636 überreichte der Neuhauser Magistrat dem Grafen eine Bitte, daß keine Juden mehr in der Stadt aufgenommen werden, die in Neuhaus bereits wohnenden Juden nur bis zum Aussterben des männlichen Geschlechtes geduldet werden, die Töchter und deren Männer kein Wohnrecht in der Stadt haben sollen, weil die Juden der Stadt nicht zum Nutzen, sondern zum großen Schaden gereichen, da sie nicht mit den Bürgern gemeinsam die Leiden teilen wollen, ja sich sogar weigern, einen Beitrag zur Erhaltung der Stadtwache zu zahlen. Mit dieser Behauptung hatte es folgende Bewandtnis: In den beiden ersten Jahrzehnten des 30jährigen Krieges versahen die Bürger die Wache an den Stadttoren. Dazu wurden auch die Juden herangezogen, die sich nie weigerten, wenn die Reihe an sie kam, an den Stadttoren Wache zu halten. In den letzten Kriegsjahren verlangte man von den Juden, daß sie den Wachdienst nicht persönlich versehen, sondern denselben durch ein wöchentlich an die Stadt zu zahlendes Wachtgeld ablösen sollen. Die durch den Krieg verarmten Juden sträubten sich gegen diese für sie kostspielige Neuerung und versahen zum Ärger der Bürger auch weiterhin den Wachdienst persönlich45). Doch am 25. Juni 1648 wurden sie auf das Rathaus beschieden, wo ihnen der Beschluß des Stadtrates vorgelesen wurde, daß die Judenschaft zur Stadtwache 2 Musketiere stellen müsse, welche Pflicht sie durch eine wöchentliche Pauschalzahlung von je 2 Schock für jeden dieser Musketiere, also zusammen 4 Schock Groschen an die Stadt abzulösen hätten. Diese neue, 208 Schock jährlich betragende Abgabe war für die verarmten 4 jüdischen Familien unerschwinglich. Auch war es eine höchst ungerechte Zumutung, da für die Stadtwache höchstens ein Dutzend Musketiere erforderlich waren, wozu die 4 jüdischen Familien allein den sechsten Teil der Kosten hätten aufbringen sollen. In ihrer Bedrängnis überreichten sie gleich am nächsten Tage, dem 26. Juni, eine Bittschrift an den Grafen Adam Paul Slawata, der damals statt seines in Wien weilenden Vaters Wilhelm in Neuhaus die Regentschaft führte. In dieser in deutscher Sprache verfaßten Bittschrift, welche durch ihren Stil und die unbeholfene Schrift zeigt, daß sie von keinem Berufsschreiber, sondern von einem der Juden selbst verfaßt und geschrieben worden war46), geben sie der verzweifelten Lage Ausdruck, in welche sie durch den Beschluß des Stadtrates versetzt wurden. Es sei ihnen eine Last auferlegt worden, die sie nicht zu tragen vermögen, so daß ihnen nichts übrig bleiben werde, als Haus und Hof zu 199

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