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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1931-01-01 · 3 (1931) · page 199

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
3 (1931)
Date
1931-01-01
Page
– (sequence 199)
Language
German
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waren. Doch verliehen manche von ihnen auch Geld auf Pfänder, wie dies aus einigen Eintragungen in den Stadtbüchern (in tschechischer Sprache) ersichtlich ist30). Doch treten viel mehr Christen als Gläubiger gegen die Neuhauser Juden auf31). Der Jude Lazar führte Prozeß mit dem Adeligen Johann von Hodejov wegen einer Geldsumme, die er ihm schuldig war32). Der Jude Markus und dessen Weib Salomina schuldeten dem Melichar Hofmann 400 Schock meiß. gute Silbermünzen33). Johann Drahovsky machte beim Stadtrichter eine Schuld von 100 Schock gegen Katharina, die Gattin des Juden Aron, geltend34). Das Geldleihgeschäft war für die Neuhauser Juden mit großem Risiko und Widerwärtigkeiten verbunden. Als Beispiel möge hier folgender Vorfall angeführt werden: Der adelige Herr Johann Kaba von Rybnan hatte dem Lazar für ein größeres Darlehen sein Gut verpfändet. Als er am Zahlungstermine säumig war, gewährte ihm Lazar auf Fürbitte des Neuhauser Stadtrates einen sechswöchigen Aufschub. Zum Lohn dafür fiel ihn Herr von Rybnan, als er, auf seinem Pferde reitend, ihm auf der Gasse begegnete, wütend an und schlug ihn mit der Reitpeitsche blutig ins Gesicht. Die Juden zogen es daher vor, ihre Forderungen an Christen zu verkaufen, als selbst die Exekution durchzuführen. Mit dem Ausbruch des 30jährigen Krieges hörte das Geldverleihen auf und die Juden wandten sich ganz dem Handel zu. Da stießen sie jedoch auf die Gegnerschaft der Neuhauser Handelsleute und Krämer, denen die jüdische Konkurrenz unbequem war. Schon im Jahre 1606 beschwerten sich die Vertreter der Gerberzunft, Jerolim Martin Holäf und Cyryan Pirchan, als sie bei einer Ratsitzung ermahnt wurden, beim Verkaufe von Leder an die Schuhmacher im Preise Maß zu halten, über die jüdische Konkurrenz, die den Gerbern beim Einkaufe (von Roihhäuten) überall große Schwierigkeiten bereite35). Im Jähre 1612 führten die Neuhauser Handelsleute und Krämer bei der Obrigkeit Beschwerde gegen fremde Juden, die in Verbindung mit dem Neuhauser Juden Lazar ihnen Konkurrenz machen und sie in ihrem Erwerb schädigen. Hierauf erließ Wilhelm Slawata ein Dekret: „Die Stadträte mögen darüber wachen, daß der Jude Lazar keine fremde Juden beherbergen, mit denselben keine Partite machen und keinen der Gemeinde abträgigen Handel treiben möge, daß ferner der Jude Hirschel sofort aus der Stadt gewiesen werde, und im Falle seiner Rückkehr sofort wie jeder andere Landstreicher in Arrest genommen werde"36). Es dürfte sich um denselben Hirschel handeln, der dabei ertappt wurde, daß er ohne Bewilligung des Bürgermeisters Koscherwein an Neuhauser und fremde Juden ausschänkte, weshalb ihm der Weinvorrat vom Stadtrate konfisziert wurde37). Hirschel war ohn Zweifel Funktionär (Vor- 194

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