Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 197)
- Language
- German
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Schwer lastete der Steuerdruck auf den Juden in Neuhaus. Außer den landesherrlichen und ständischen Abgaben und Kontributionen, welche auf die gesamte Judenschaft Böhmens verteilt wurden, hatten die Neuhauser Juden noch verschiedene Abgaben an die Grundobrigkeit abzuführen. Solche Abgaben waren: 1. Häusersteuer25), 2. eine Abgabe vom jüdischen Friedhof, welche für jede Familie jährlich 4 Groschen (1598) betrug26), 3. eine besondere, den Neuhauser Juden gleich nach ihrer Niederlassung in der Stadt auferlegte Steuer, die sogenannte Plechatschen- Steuer. Wir werden auf diese sonderbare Judensteuer noch zurückkommen. Außer diesen ständigen Steuern führten die Neuhauser Juden noch „freiwillige" Geld- und Naturalabgaben bei verschiedenen Anlässen an den Grundherrn ab. Dazu kamen noch die städtischen Abgaben und Geschenke an den Burghauptmann und andere städtische und obrigkeitliche Beamte. Die Juden mußten auch dem Grundherrn freiwillige und unfreiwillige Darlehen gewähren oder besorgen, auf deren Rückzahlung sie nicht immer bestehen konnten, da sie in ihrer Existenz von der Gnade des Herrn abhängig waren. Namentlich Adam II. von Neuhaus, der durch kostspielige Renovierungen und Zubauten an seinen Schlössern horrende Summen verbrauchte, und dessen Nachfolger Ulrich Joachim waren immer in Geldverlegenheit. Adams Gattin Katharina von Monfort verpfändete nach Adams Tod bei der Jüdin Munka aus Prag sogar ihr gesamtes Familientafelsilber. Und da mußten zunächst die Juden, dann aber auch die reichen Neuhauser Bürger mit Darlehen aushelfen27). Immerhin war die Lage der Juden unter den Herren von Neuhaus eine relativ günstige. Sie blieben auch während der Hussitenkriege und der religiösen Kämpfe, von denen im 16. Jahrhundert auch die Stadt Neuhaus nicht verschont geblieben ist, unbehelligt. Auch als im Jahre 1451 der berüchtigte Judenhetzer, der später heiliggesprochene Franziskanermönch Johann von Capistrano, in Neuhaus weilte, blieben die Neuhauser Juden unbehelligt, da sie von den mächtigen Herren von Neuhaus wirksam geschützt wurden28). Die Beziehungen der Neuhauser Juden zur städtischen Bevölkerung beschränkten sich bloß auf den geschäftlichen Verkehr, der, wie wir gesehen haben, recht lebhaft war. Die Sprache der Neuhauser Juden war im geschäftlichen Verkehr mit der meist tschechischen Bevölkerung tschechisch. Sämtliche erhaltene jüdische Rechnungen und Quittungen dieser Zeit sind in tschechischer Sprache geschrieben und mit dem Epitheton „2id" (Jude) hinter dem Namen versehen. Daß sie jedoch 192