Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 193)
- Language
- German
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Personen als Angestellte von den privilegierten Schutzjuden gehalten wurden, die aber außerhalb der Stadtmauern in einer der Vorstädte wohnen mußten. Aber auch das Erwerbsleben wurde den 4 jüdischen Familien durch eine in alter Zeit erlassene grundobrigkeitliche Verordnung, wonach der Erwerb der Juden auf den Handel mit wenigen Gegenständen, u. zw. mit Blei, Zinn, Eisen, Draht und Glasscheiben, sowie auch auf die Ausübung des Glaserhandwerkes beschränkt worden war, erschwert. Dieser Beschränkung geschieht urkundlich, wie wir weiter unten sehen werden, erst im Jahre 1624 Erwähnung, wo von einem seit alters her stammenden Handelsverbot gesprochen wird13). Aber auch dieses Verbot wurde in der Regel unbeachtet gelassen und trotz den Beschwerden der christlichen Handelsleute trieben die Juden im 16. Jahrhundert Handel mit Kolonialwaren, Leder, rohen Häuten, Textilien, Galanteriewaren und anderen. Dies war besonders unter Adam IL' von Neuhaus (1565—1596) der Fall, der seinen Juden ein milder Herr und Gebieter war. Im Jahre 1560 ließ er einen jüdischen Arzt nach Neuhaus kommen, damit er ihn in seiner Krankheit behandle13*). Er ernannte den Neuhauser Juden Perecz, des/sen Schwager Israhel Sax und «inen Prager Juden namens Munka zu seinen Einkäufern (Hoflieferanten)131*). Adam selbst kaufte um 1575 von dem Neuhauser Juden Josef parfümierte Handschuhe, Sammthalsbänder für die Jagdhunde und 2 Pfauen um den Betrag von 5 Schock Groschen. Demselben Josef wurden auch für andere, an das Schloß gelieferte Bedarfsartikel 5 Schock 45 böhm. Groschen ausgezahlt14). Im Neuhauser Schloßarchiv befindet sich eine Anzahl von Rechnungen und Quittungen über von Neuhauser Juden 1594—1598 an die Herrschaft gelieferte oder von derselben gekaufte Waren15). Eine interessante Persönlichkeit muß der jüdische Glasermeister Adam Glas gewesen sein, der sich der besonderen Gunst Adams von Neuhaus erfreute. Als er 1570 heiratete, spendete ihm Adam von Neuhaus ein Faß Bier zum Hochzeitsmahle15*). Als Adam von Neuhaus 1581 das Neuhauser Schloß renovierte und durch Zubauten erweiterte, lieferte der Jude Adam sämtliche Glasscheiben um den Betrag von ca. 200 Schock. Dasselbe geschah bei den Bauten, die der Herr von Neuhaus in seinem Frauenberger Schlosse durchführen ließ, wo der Jude Adam die Glaserarbeiten um den Betrag von 181 Schock 18 Groschen ausführte16). Adam war ein viel beschäftigter Meister, der Butzenscheiben kunstgerecht in Blei faßte und mit Bewilligung der Obrigkeit auf dem Gebiete der Neuhauser Herrschaft verkaufte. Er war aber auch ein tüchtiger Geschäftsmann. Schon 1570 lieferte er Adam von Neuhaus Ausrüstungs- 188