Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 192)
- Language
- German
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ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts geschäftlich nach Neuhaus kamen, werden in den Stadtbüchern auch verzeichnet: Der Polnaer Jude Procop, welcher dem Neuhauser Bürger Remle 233 Schock Groschen schudete9), und die Polnaer Juden Alexander und Is&k, ferner Juden aus Wien, Krems und Salzburg, der Jude Fischl aus Passau, Juden aus Landshut, Frankfurt a. M. und Breslau. Jüdische Kaufleute aus Nürnberg kauften von der Neuhauser Herrschaft Glas, welches bei Ratmirov, in der Nähe von Neuhaus, erzeugt wurde10). Neuhaus war demnach bereits zu Anfang des 16. Jahrhunderts eine lebhafte Handelsstadt und die ursprünglich aus 8 jüdischen Familien bestehende Neuhauser Judenschaft würde sich sicherlich zu einer ansehnlichen jüdischen Gemeinde entwickelt haben, wenn nicht einer der Herren von Neuhaus, wahrscheinlich als Gunsterweisung an die Neuhauser Bürgerschaft, die Anordnung getroffen hätte, daß in der Stadt Neuhaus nicht mehr als 4 jüdische Familien wohnen dürfen. Einer solchen Beschränkung der Neuhauser Judenschaft geschieht zuerst in einer Bittschrift des Bürgermeisters und des Rates der Stadt Neuhaus an den Grafen Johann Joachim Slawata aus dem Jahre 1682, und in einem auf diese Bittschrift hin erlassenen Dekret des Grafen de dato 8. November desselben Jahres Erwähnung. In beiden Urkunden wird von einem „von alters herou stammenden Rechtszustand gesprochen, wonach in Neuhaus nur 4 jüdische Familien wohnen dürfen10*). Wann und von wem diese Anordnung getroffen wurde, war schon im Jahre 1682 unbekannt, sonst hätten sich Bürgermeister und Rat in der obigen Bittschrift sicherlich darauf berufen. Daß dieselbe nicht vor der Mitte des 16. Jahrhunderts erlassen worden sein konnte, kann daraus geschlossen werden, daß schon im Jahre 1557 der um 1412 angelegte jüdische Friedhof vergrößert werden mußte11), was sicherlich nicht der Fall gewesen wäre, wenn bereits im 15. Jahrhundert bloß 4 jüdische Familien in Neuhaus gewohnt hätten. Da jedoch laut dem „vollständigen" Verzeichnis der im Königreich Böhmen zur Steuerzahlung verpflichteten jüdischen Familien vom Jahre 157012) Neuhaus mit 3V2 jüdischen Familien angeführt wird, so ist anzunehmen, daß der „Numerus clausus" der Neuhauser Juden in diesem Jahre bereits in Geltung war, so daß er wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts von Adam I. (1511—31) oder Joachim I. von Neuhaus (1531—65) eingeführt wurde. Allerdings wurde dieses Verbot von der Neuhauser Grundobrigkeit nicht immer eingehalten. Im Jahre 1560 nahm Joachim von Neuhaus einen neuen, überzähligen Juden in die Stadt auf12a). Es wurde ferner von der Grundobrigkeit fast immer geduldet, daß Eltern und ledige Geschwister bei den 4 Familien Aufenthalt nahmen, oder daß ledige 187