Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 180)
- Language
- German
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beobachtete Unterschied in der jüdischen Tracht und Kleidung gänzlich abgestellet, folglich die Tragung der gelben Ärmel bei den männlichen, sowie die gelben Bänder bei dem weiblichen ledigen Geschlecht abgeschattet werden solle. Der Herr Kreishauptmann wird dahero diese allerhöchste Willensmeinung denen sammentliohen Magistraten und Obrigkeiten mit dem Beisatz zu bedeuten haben, daß denen Juden in Ansehung der Kleidertracht, wenn sie sich sonst ruhig und ordentlich aufführen, von niemand etwas in den Weg gelegt werden solle. Geben ob d. Königl. Prager Schloß, den 12. Oktober 1781. Der Rom. Kais. Königl. Majestät Obrister Burggraf, Präsident, dann Räthe d. K. K. Landes Guberny. E. E. Fürst zu Fürstenberg Frantz Neumann." Dadurch war das Abzeichen, das die Juden fünfeinhalb Jahrhunderte hindurch tragen mußten, endgültig beseitigt. Viele Christen und auch manche jeder Zeitmode feindlich gesinnte Juden wollten sich in die neue Verhältnisse nicht hineinfinden und bewirkten durch Drohungen, daß die Prager jüdischen Frauen nicht wagten, die üblichen jüdischen Hauben abzulegen. Daher haben sieben Jüdinnen73) „im Namen deren sammentlichen Prager jüdischen Weibspersonen" am 17. September 1783 an den Kaiser ein Bittgesuch eingegeben, daß ihnen gestattet sei, die französischen Hauben zu tragen, da das gelbe Zeichen bereits beseitigt sei und „die gewöhnlichen jüdischen Hauben in Anschaffung sehr kostbar und zum Nachtheil der Angehörigen gereichen". Dieses wurde ihnen natürlich gestattet, jedoch sollten die Judenältesten befragt werden, ob sie wegen des Religionsgesetzes nichts dagegen einzuwenden hätten. Wenn auch späterhin ein Teil der Bevölkerung sich mit der Abschaffung des Judenzeichens nicht abfinden wollte, konnte dieses an der Verfügung Josef II. nichts ändern. Die Judenabzeichen selbst verschwanden gänzlich von der Oberfläche, so daß selbst die Prager Museen nicht imstande waren, auch nur ein einziges Abzeichen für ihre Sammlungen zu erwerben. 175