Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 3 (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- – (sequence 169)
- Language
- German
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an Leib und Leben bedroht4'. Die Befreiung verlangte er wegen seiner Dienste im Interesse des Staates. Die Erledigung des* Gesuches befindet sich nicht in den Akten. c) Der Kampf um die Befreiung. Die Lage der Juden auf dem Lande hatte sich in den Jahren nach der Einführung der Krause dauernd verschlechtert, so daß ein Jude kaum mehr wagte, seinen Wohnsitz zu verlassen. Auf den Herrschaften, Gütern und in den Ortschaften, wo keine Juden wohnten, wurde ihnen das Handeln und Hausieren immer wieder eigenmächtig untersagt; wagten sie aber, dahin zu kommen,' wurden sie geschlagen, in Schweineställe gestoßen und die Ware wurde ihnen abgenommen. Auf die Beschwerden der Landesjudenschaft erließ die Statthalterei zur Abstellung der „Scheußlichkeiten" am 22. Juni 1698 ein in sehr energischer Sprache abgefaßtes Rundschreiben an alle Kreise. Was half aber der stets erneute Hinweis auf die Privilegien, auf den Ruin des Handels und auf die Schädigung der Kontributionsleistungen, ja selbst der Appell an die Humanität, wenn das auffallende Judenzeichen das Landvolk immer wieder anreizte, gegen die Juden vorzugehen. Ein bezeichnendes Protokoll über einen solchen Überfall befindet sich in Schlackenwerth. (Vgl. Beilage VIII.) Trotz dieser Verfolgungen wrurde strenge auf die Einhaltung der KröseVerordnung gesehen, wras aus einem Rundschreiben des Altstädter Richters Ferdinand Cloet von Grün und Sturmthal hervorgeht, das er am 6. Juli 1701 an alle königlichen Richter wegen Erneuerung der am 27. August 1670 erlassenen Kleiderordnung sandte, damit die Juden nicht durch Abwerfung der Halskrause wie Christen aussehen sollten43). Die judenfeindliche Stimmung hat aber in einer Resolution des Kaisers vom 11. April 1702 ihren Höhepunkt erreicht, in der die bereits am 2. April 1699, am 19. Oktober 1700 und am 21. Feber 1701 angeordnete Reduktion der Judenschaft auf dem. böhmischen Lande „auf 500 Köpfe, worunter die Dienstboten und alle Kinder ohne Unterschied des Alters zu verstehen und zu zählen sind... ohne Verschub vor sich gehen solle"50). Es kam jedoch nicht dazu. Infolge des spanischen Erbfolgekrieges, wozu noch der Tod Samuel Oppenheimers kam, geriet der österreichische Staat in eine verzweifelte finanzielle Lage51), so daß jeder Kontributionsgulden unentbehrlich und jede dargebotene Summe der Staatskassa sehr erwünscht kam. Diese finanzielle Schwierigkeit des Staates ist der gesamten Judenschaft Böhmens in ihrem Existenzkampfe sehr zugute gekommen. 164